Einleitung
Das Problem des Determinismus ist wohl eines der am meisten
diskutierten in der Geschichte der Philosophie. Bereits unter den Schriften
der antiken Philosophen finden sich Abhandlungen zu dieser Thematik; das
mittlerweile vorhandene Schrifttum ist kaum mehr zu übersehen.
Der Determinismus wird in verschiedenen Kontexten diskutiert. So im Zusammenhang
mit der Frage, inwieweit die Fundamentalgesetze unserer Physik determiniert
sind, wie z.B. nach der klassischen newtonschen Mechanik, oder inwieweit
sie indeterminiert sind, z.B. im Bereich der Quantenphysik.
Im Vordergrund steht jedoch meist die Diskussion um die
Konsequenzen des Determinismus auf unser Leben, auf ethische Probleme. So
stellen sich die Fragen, ob wir, wenn der Determinismus gilt, dennoch einen
freien Willen haben können, und davon ausgehend, ob wir für unser
menschliches Handeln überhaupt moralisch oder rechtlich verantwortlich
gemacht werden können. Wie verhält es sich mit unseren Lebenshoffnungen? Können wir unser zukünftiges Leben überhaupt nach unseren
Vorstellungen beeinflussen, oder ist unsere Zukunft quasi schicksalhaft vorherbestimmt?
Die Beantwortung dieser Fragen wird von vielen Autoren
sehr umfangreich versucht, es existieren unzählige sehr ausführliche
Ansichten und Lösungsversuche.
Daneben fällt jedoch auf, daß es auch Autoren
gibt, die diese Fragen im Gegensatz dazu relativ knapp behandeln und offenbar
dennoch davon ausgehen, zumindest eine einigermaßen plausible Erklärung
bzw. Lösung gefunden zu haben.
Dem Bearbeiter, der beginnt sich in diese Thematik einzulesen,
drängt sich daher nach einiger Zeit die Frage auf, welche Bedeutung
diese Fragestellungen für unser Leben tatsächlich haben. Können
wir mit der Tatsache des Determinismus wirklich so schwer zurechtkommen?
Wäre uns mit einem Indeterminismus im Hinblick auf die entscheidenden
Fragen nach freiem Willen und Verantwortlichkeit weitergeholfen? Was leisten
umfangreiche Determinismustheorien im Hinblick auf unser Leben wirklich?
Der Verdacht entsteht, daß gerade viele der ausführlichen
Theorien den Determinismus im Hinblick auf die Auswirkungen auf unser tägliches
Leben und unsere inneren Einstellungen überbewerten bzw. überdiskutieren.
In dieser Arbeit will ich versuchen, dieser Frage nachzugehen.
Dabei soll nicht ausführlich auf einzelne Determinismustheorien
eingegangen werden. Vielmehr soll anhand von allgemeinen strukturellen Überlegungen
untersucht werden, ob die vielen Theorien in ihren verschieden Ausgestaltungen
überhaupt zu Ergebnissen führen können, die sich tatsächlich
in ihren Konsequenzen auf unser Leben unterscheiden.
1. Überblick
Die Theorie des Determinismus gründet auf der Erkenntnis,
daß unsere Welt nach Gesetzmäßigkeiten funktioniert. Jedes
Ereignis ist als Wirkung bestimmter Ursachen eindeutig bestimmt und ist selbst
wiederum, im Zusammenspiel mit anderen Ereignissen, Ursache weiterer Wirkungen.
Davon ausgehend folgt die generelle Einsicht, daß künftige Weltzustände
durch vorhergehende bereits eindeutig bestimmt, d.h. determiniert sind.
Die Gegenthese, die dies verneint, wird als
Indeterminismus bezeichnet.
Die grundlegenden Probleme in diesem Zusammenhang wurden
in der Philosophie bereits in der Antike erörtert, die Begriffe "Determinismus"
und "Indeterminismus" bürgerten sich jedoch erst in der zweiten Hälfte
des 18. Jahrhunderts unter dem Einfluß der Naturwissenschaften ein.
[1]
Besonders viel diskutiert ist die Frage, inwieweit auch
der Mensch selbst und seine Handlungen determiniert sind.
Je nachdem auf welcher Ebene dies betrachtet wird, unterscheidet
man zwischen physiologischem
und psychologischem
Determinismus. Die These des physiologischen Determinismus ist, daß
alle Handlungen von Personen durch vorausliegende körperliche Umstände
nach physikalischen Gesetzen determiniert sind.
[2] Diese Theorie wird auch als
physischer Determinismus bezeichnet.
[3] Die These des psychologischen Determinismus
ist, daß alle Handlungen von Personen oder mindestens einige ihrer
Charakteristika durch vorausliegende psychische Umstände nach psychologischen
Gesetzen determiniert sind. [4]
Eine weitere wichtige Unterscheidung deterministischer
Theorien wird danach getroffen, inwieweit sich nach der jeweiligen Theorie
der Determinismus mit dem freien Willen von Menschen vereinbaren läßt.
Die philosophische Richtung, die behauptet, wir unterlägen zwar faktisch
oder möglicherweise der üblichen Kausalität, könnten
aber dennoch frei sein, wird als Kompatibilismus
(auch weicher Determinismus
) [5] bezeichnet. Die Richtung, welche behauptet,
es sei logisch ausgeschlossen, sowohl determiniert als auch wirklich frei
zu sein, wird als Inkompatibilismus
(auch harter Determinismus
) [6] bezeichnet.
Auf der Frage nach dem freien Willen gründen sich
alle weiteren Probleme um die Konsequenzen des Determinismus. Menschen können
für ihre Handlungen nur verantwortlich sein, wenn sie sich frei auch
anders hätten entscheiden können. Bestimmte Lebenshoffnungen gründen
sich gerade darauf, daß wir mit freien Entscheidungen unser Leben beeinflussen
können etc.
Ausgehend davon möchte ich die Beantwortung der
Fragestellung dieser Arbeit in drei Abschnitte gliedern:
Zunächst soll kurz untersucht werden, inwieweit
wir im täglichen Leben mit den Gedanken an eine gewisse Determiniertheit
überhaupt Schwierigkeiten haben und ob uns der Determinismus nicht vielleicht
vertrauter ist, als uns dies zunächst bewußt sein mag.
Anschließend soll der zentralen Frage nach dem
freien Willen nachgegangen werden. Ich will versuchen zu zeigen, daß
Theorien über Determinismus und freien Willen immer eine vom Grunde
her gleiche Struktur haben müssen und sich daher die sich jeweils ergebenden
Konsequenzen im Hinblick auf unser Leben nicht wirklich unterscheiden.
Schließlich will ich überlegen, ob der Determinismus
überhaupt als Argument für irgendeine Lebenskonsequenz herangezogen
werden kann oder ob dies bereits aus logischen Erwägungen heraus nicht
möglich ist.
2. Determinismus alltäglich?
Bevor auf das zentrale Problem von Determinismus und
freiem Willen näher eingegangen wird, will ich einige allgemeine Gedanken
ansprechen, und zwar zu der Frage, ob uns das Gefühl des Determiniert-Seins
wirklich so fremd ist, oder ob wir im Alltag nicht immer mit einer gewissen
Art des Determinismus umgehen und leben.
Wer sich mit dem Problem des Determinismus zum ersten
Mal intensiv auseinandersetzt, scheint es zunächst schwer haben, mit
diesem Gedanken wirklich klarzukommen. Wir als Menschen sollen nur noch das
Zusammenspiel von kausalen Faktoren sein? Wir sollen nur noch Teil eines
Weltzustandes sein, der durch einen vorherigen bereits eindeutig festgelegt
ist? Mit unserem ausgeprägten Gefühl für Individualität
scheint die Vorstellung des Determinismus nicht zusammenzupassen.
Außerdem tauchen als nächster gedanklicher
Schritt notwendigerweise die Fragen nach freiem Willen, Verantwortlichkeit
etc. auf.
Wie bereits dargelegt wurde, ist die Idee des Determinismus
letztlich eine Konsequenz davon, daß unsere Welt aufgrund bestimmter
Gesetzmäßigkeiten funktioniert.
Dieser Umstand ist für uns aber eigentlich völlig
normal. Jedes menschliche Handeln basiert darauf, daß es als Ursache
eine Wirkung hervorruft. Ich möchte zum Beispiel einen Gegenstand verschieben.
Ich berühre ihn, lasse durch meine Hände und Arme Kräfte auf
ihn wirken und er bewegt sich. Hätte ich meine Handlungen nicht getätigt,
hätte sich der Gegenstand nicht bewegt.
Ohne weiteres ist einzusehen, daß all unser Handeln
mit Gesetzmäßigkeiten zu tun hat. Würde unsere Welt nicht
gesetzmäßig funktionieren, könnten wir in ihr gar nicht leben.
Wir wüßten nie, was unsere Handlungen "bewirken" werden.
Diese Einsicht in Gesetzmäßigkeiten und kausale
Zusammenhänge funktioniert aber nicht nur in die Zukunft gerichtet.
Auch Geschehnisse unserer Vergangenheit betrachten wir immer unter dem Aspekt,
daß hier Gesetzmäßigkeiten gewirkt haben.
Jedesmal, wenn wir uns entschuldigen oder rechtfertigen,
berufen wir uns auf kausale Zusammenhänge. Weil der Bus nicht kam, bin
ich zu spät gekommen. Weil dort eine Stufe war, bin ich gestolpert.
Diesen Rückzug auf kausale Zusammenhänge unternehmen
wir nicht etwa bloß bei trivialen Erklärungen und Rechtfertigungen
im Alltag. Vielmehr erklären wir letztlich alles durch das Wirken von
Gesetzmäßigkeiten, bis hin zu unseren inneren Antrieben und Motiven.
Wenn auf die Frage "Warum lieben Sie klassische Musik?" geantwortet würde "Weil ich bereits in meiner Kindheit im Elternhaus
damit vertraut gemacht wurde.", so nimmt jeder die Antwort als völlig
normal hin, ohne gleich erschrocken zu denken "Dieser arme Mensch wurde durch
seine Kindheitserfahrungen determiniert".
In unserer Gesellschaft ist es fest verankert, daß
Menschen durch Veranlagungen, Kindheitserfahrungen usw. geprägt sind
und damit auch ihr späteres Verhalten in gewisser Weise "bestimmt" ist.
Bei gerichtlichen Strafverfahren ist es zum Beispiel
Pflicht, daß der Angeklagte nach seinem Lebenslauf gefragt wird. Bei
gewichtigeren Fällen, wie z.B. Triebtötungen, werden umfangreiche
psychologische Gutachten des Täters angefertigt, in denen ausführlich
zu Veranlagungen, Erlebnissen in der Kindheit sowie den allgemeinen Lebensumständen
Stellung genommen wird. Ganz selbstverständlich wird dabei mit dem Fakt
umgegangen, daß ein Mensch in seinen Handlungen, zumindest zu einem
großen Teil, vorherbestimmt ist. Entsprechendes ist nach dem Gesetz
ausdrücklich strafmildernd zu berücksichtigen.
Was ich mit diesen Ausführungen zeigen will ist,
daß wir im täglichen Leben viel öfter mit einer gewissen
Determiniertheit umgehen, als uns zunächst bewußt ist.
Damit will ich nicht sagen, daß die meisten Menschen,
wenn sie den Determinismus in seinem vollem Umfang und seiner Totalität
erkennen bzw. verstehen, zunächst keine Schwierigkeiten haben.
Aber offenbar ist es doch so, daß wir mit einem
gewissen Grad an Determiniertheit unserer Selbst durchaus zurechtkommen.
Entscheidend für unsere Schockiertheit über
den Determinismus scheint daher nicht der Fakt des Determiniert-Seins als
solcher zu sein, sondern lediglich der Grad desselben.
Dazu jedoch später.
3. Determinismus und
freier Wille
Wie bereits angedeutet, ist die zentrale Frage hinsichtlich
der Konsequenzen des Determinismus diejenige, ob wir einen freien Willen
haben oder nicht.
Die erste Problematik dabei ist,
was eigentlich einen freien Willen haben soll.
Das entsprechende Objekt könnte einfach der Mensch
als biologische Einheit sein; das, was wir im täglichen Umgang schlicht
als Person ansehen. Wie bereits unter 2. gezeigt, ist jedoch völlig
unbestritten, daß der Mensch als solcher sehr wohl zumindest zu einem
bestimmten Maße durch Veranlagungen und psychische Entwicklungen bestimmt
ist.
Dem Mensch als solchem, als ganzem wird man daher den
freien Willen nicht zuschreiben können; alles andere würde den
grundlegendsten Erfahrungen der Psychologie widersprechen.
Die Konsequenz davon ist, daß man bei der Betrachtung
irgendwie in den Menschen "hineingehen", die Betrachtungsebene tiefer legen
muß.
Dabei kann man lediglich oberflächlich nur geringfügige
psychologische Beeinflussungen betrachten. Man kann aber auch die Psyche
eines Menschen sehr tiefgehend untersuchen bis hin zu frühesten Kindheitserinnerungen,
welche ggf. mit biologischen Eigenschaften zusammenwirken etc. Man kann auch
die Grenze der psychologischen Ebene verlassen und den Mensch z.B. konsequent
bloß als die Gesamtheit der physikalischen Entitäten betrachten,
aus denen er besteht und die mit der Umgebung nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten
in Wechselwirkung stehen.
Unabhängig davon, welche Betrachtungsweise man wählt,
steht man jedoch irgendwann immer vor dem selben Problem, und zwar, daß
man als Subjekt, welches einen freien Willen haben oder diesen zumindest
begründen soll, irgend etwas "übriglassen" muß. An irgendeiner
Stelle muß eine Grenze gezogen werden, durch die ein Objekt bestimmt
wird, welches überhaupt noch einer Betrachtung zugänglich ist.
Andernfalls hätte man das Problem "wegbetrachtet" oder "weguntersucht".
Wenn man unter diesem Aspekt verschiedene Theorien oder
Betrachtungsweisen analysiert, so wird deutlich, daß bei dem Problem
des freien Willens oft eine Scheindiskussion geführt wird.
Beispielhaft sei hier nur der streng physiologische Determinismus
auf der Ebene der Elementarteilchen angeführt. Wenn man in der Betrachtungsebene
bereits soweit heruntergegangen ist, daß man nur noch physikalische
Entitäten auf der Ebene der Elementarteilchen und ihre Wechselwirkung
betrachtet, dann hat man nichts mehr, dem man einem freien Willen überhaupt
zuordnen könnte.
Die Frage nach dem freien Willen dürfte hier eigentlich
konsequenterweise gar nicht mehr diskutiert werden.
Jede Theorie über Determinismus und freien Willen
darf daher in ihrer Betrachtungsebene nur soweit gehen, daß sie überhaupt
noch ein Untersuchungsobjekt hinsichtlich des freien Willens zurückbehält.
Am treffendsten hat dies Ernest Nagel zusammengefaßt:
"Just how and where the bounderies
of the individual human self are to be drawn are undoubtelly not easy questions
to decide ... But however they are drawn, the lines should not be so drawn
that in the end nothing can be indentified as the self."
[7]
Determinismustheorien brauchen
also zunächst ein Objekt, dem ein freier Wille zugeordnet bzw. an dem
ein freier Wille diskutiert wird; anschließend wird dann ggf. erörtert,
wie sich der freie Wille ergeben oder definieren soll.
Die vorhandenen Theorien gehen dabei verschiedene Wege,
dieses Objekt und den Begriff des freien Willens zu bestimmen.
Teilweise wird vertreten, der Mensch ist bereits dann
in seinem Willen frei, wenn er ohne äußeren Zwang handeln kann.
Andere Theorien gehen davon aus, daß wir selbst
zwar weitgehend determiniert sind, aber irgend etwas in uns ist, vielleicht
etwas Geistiges, was unabhängig von äußeren Determiniertheiten
für uns Entscheidungen trifft.
Unabhängig von ihrer genauen Ausgestaltung ist jedoch
allen Theorien, die einen freien Willen bejahen, eines gemeinsam: An einer
gewissen Stelle wird ein Objekt definiert, welches so betrachtet wird, als
ob es von äußeren Kausalfaktoren gar nicht mehr oder zumindest
nicht vollständig bestimmt wird.
Irgendeine Entität wird herausgearbeitet, die mehr
oder weniger vom Menschen als solchem in der Betrachtungsebene entfernt ist,
und welche aufgrund ihrer, zumindest partiellen Unabhängigkeit, die
Fähigkeit zur Erstauslösung
hat.
Dieser Begriff wird dabei keineswegs immer wörtlich
genau so verwendet. Er scheint mir jedoch am geeignetsten das zusammenzufassen,
was allen Determinismustheorien, die einem freien Willen behaupten, gemeinsam
ist, nämlich daß es an irgendeiner Stelle der Betrachtung etwas
gibt, was nicht oder nicht vollständig von Kausalfaktoren determiniert
ist.
All diese Theorien müssen dieses Element der Erstauslösung
irgendwie implizieren, da sich andernfalls auf allen Betrachtungsebenen
eine vollständige Determiniertheit ergeben würde und sich folglich
kein freier Wille mehr konstruieren ließe.
Der Aufbau von Determinismustheorien, welche einen freien
Willen bejahen, kann daher so verallgemeinert werden, daß die Betrachtungsebene
so gewählt wird, daß ein relevantes Objekt übrigbleibt, diesem
in irgendeiner Form die Fähigkeit zur Erstauslösung zugesprochen
und davon ausgehend ein freier Wille konstruiert bzw. definiert wird.
Dies korrespondiert meines Erachtens auch mit unserer
allgemeinen Vorstellung (siehe unter 2.). Wir geben ohne weiteres zu, daß
wir auf eine bestimmte Art und Weise schon von Kausalfaktoren bestimmt sind.
Irgendwo in uns glauben wir aber etwas zu haben, was völlig unabhängig
ist, was uns selbst
ausmacht, was äußeren Einflüssen nicht
mehr unterliegt. Erst wenn die Vorstellung soweit geht, daß wir in
allen Ebenen vollständig determiniert sind und ein solcher "Kern" von
uns nicht mehr übrigbleibt, empfinden wir echte Schockiertheit über
den Determinismus.
Dieser prinzipielle Aufbau solcher Theorien scheint daher
zunächst gute Ergebnisse liefern zu können. Jedoch tauchen nach
näherer Betrachtung immer die gleichen prinzipiellen Fragen auf: Warum
hat dieses Etwas in uns, was die Fähigkeit zur Erstauslösung besitzt,
bestimmte Entscheidungen gerade so und nicht anders getroffen? Warum hat
es diese Entscheidungen gerade zu diesem Zeitpunkt getroffen und nicht zu
einem anderen?
Diese Fragen kann man auf drei verschieden Arten beantworten.
Zunächst könnte man sagen, dieses erstauslösende
Etwas in uns ist doch irgendwie von äußeren Faktoren beeinflußt.
Es steht doch in irgendeiner Wechselwirkung zu unserem Körper bzw. zu
den auf ihn einwirkenden Kausalfaktoren. Wenn man davon ausgeht, so ist im
Hinblick auf den freien Willen letztlich nichts gewonnen, sondern das Problem
lediglich in eine andere Betrachtungsebene verlagert. Dieser Nach-Unten-Verlagerung
der Betrachtungsebene sind letztlich aber Grenzen gesetzt, da man andernfalls,
wie oben gezeigt, schließlich kein relevantes Objekt mehr übrigbehalten
würde.
Als zweite Möglichkeit könnte man sagen, daß
diese Entscheidungen des erstauslösenden Etwas in uns ohne jegliche
äußere Beeinflussung erfolgen und in keinster Weise durch irgendwelche
Gesetzmäßigkeiten determiniert sind. Die logische Konsequenz daraus
wäre, daß diese Entscheidungen reiner und völliger Zufall
wären.
Als dritte Möglichkeit könnte man die ersten
beiden kombinieren und sagen, daß natürlich das erstauslösende
Etwas irgendwie schon an äußere Gegebenheiten geknüpft ist,
z.B. an Anlässe für Entscheidungen. Wie diese Entscheidungen dann
aber getroffen werden, ist nicht genau determiniert, sondern nur wahrscheinlich.
Das heißt, Entscheidungen werden mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit
in einer bestimmten Art und Weise getroffen, es besteht jedoch auch eine
Wahrscheinlichkeit dafür, daß entsprechende Alternativen gewählt
werden.
So wurde zum Beispiel der freie Wille in einigen Theorien
unter Zuhilfenahme der Quantenmechanik erklärt. Der Umstand, daß
im Bereich der Quantenmechanik keine deterministischen, sondern lediglich
statistische Gesetze herrschen, sollte den freien Willen begründen.
Hierbei muß man aber beachten, daß die
Verteilung der Wahrscheinlichkeiten, wenn sie
nicht selbst determiniert sein soll, wiederum nach reinem Zufall gegeben
sein muß. Deshalb führt diese Variante letztlich auf einem Umweg
wieder auf bloßen Zufall zurück.
Im Ergebnis kann man Folgendes festhalten:
Theorien über den Determinismus müssen letztlich
zugeben, daß es entweder keinen freien Willen gibt, da auf allen möglichen
Betrachtungsebenen vollständige Determiniertheit gegeben ist, oder sie
bejahen den freien Willen, müssen diesen dann aber, wenn auch auf verschiedenen
Wegen, auf reinen Zufall zurückführen.
(Um bei den Begrifflichkeiten genau zu bleiben, müßte
man solche Theorien eigentlich schon als indeterministisch bezeichnen, was
im Hinblick auf den freien Willen meines Erachtens nach keinen Unterschied
macht, wie noch gezeigt wird.)
Freier Wille kann sich also nur aus reinem Zufall ergeben
bzw. definieren. Begrifflich kann man das Problem damit sicherlich lösen,
jedoch ist in Bezug auf die Konsequenzen des Determinismus oder im Gegensatz
dazu auf die des Indeterminismus nichts wirklich gewonnen.
Wenn wir über den Determinismus und seine Konsequenzen
nachdenken, empfinden wir eine gewisse Schockiertheit. Mit der Tatsache,
daß unser ganzes Leben in allen
Einzelheiten vorherbestimmt sein soll, haben wir Schwierigkeiten. Nur haben
wir diese Schwierigkeiten etwa nicht, wenn wir uns die Alternative vor Augen
halten, daß der Gang unseres Lebens durch reinen Zufall bestimmt ist?
Unser allgemeines Gefühl für Freiheit wird
meines Erachtens durch die Vorstellung gänzlicher Zufallsabhängigkeit
genauso intensiv beeinträchtigt wie durch die Vorstellung einer vollständigen
Determiniertheit. Für die entscheidenden Probleme bzw. Fragestellungen
in unserem Leben macht es keinen Unterschied, ob wir vollständig determiniert
sind oder all unsere Entscheidungen letztlich auf reinem Zufall basieren.
Man betrachte die Frage nach der Verantwortlichkeit der
Menschen für ihre Handlungen. Wenn der Determinismus gilt und alles
bereits vorherbestimmt ist, dann soll es keine Verantwortlichkeit mehr geben
können.
Man sollte sich nun die Alternative vor Augen führen,
daß allen Ereignissen letztlich reiner Zufall zugrunde liegt, und sich
fragen, ob man damit die anstehenden Probleme und Fragen auf eine befriedigende
Art und Weise besser beantworten kann.
Ich denke, daß das nicht der Fall ist.
Schon vom Grundsatz der Angelegenheit aus betrachtet
muß man zugeben, daß reiner Zufall keine größere Verantwortlichkeit
begründen kann als vollständige Determiniertheit. Dies ergibt sich
bereits aus dem Begriff selbst. Wenn etwas reiner Zufall ist, dann hat es
eben gerade keine Ursache, und folglich kann auch niemand dafür verantwortlich
gemacht werden.
Aber auch bei den Folgeproblemen bzw. speziellen Ausgestaltungen
der Frage lassen sich keine markanten Unterschiede herausarbeiten. Wenn z.B.
fraglich ist, ob Straftäter für ihre Handlungen nicht verantwortlich
sind, weil sie vollständig determiniert sind, dann wird die Alternative,
welche diese Handlungen auf reinen Zufall zurückführen muß,
keinen echten Ausweg anbieten können.
Der Vollständigkeit halber will ich in diesem Zusammenhang
anmerken, daß es im Ergebnis des eben Gesagten und in Bezug auf den
freien Willen und Verantwortlichkeit letztlich auch nicht auf die Unterscheidung
zwischen Determinismus und Indeterminismus ankommt. Denn Indeterminismus
bedeutet, daß es auf irgendeiner Stufe eine Unabhängigkeit von
kausalen Faktoren gibt, was logischerweise nur reiner Zufall sein kann. Auch
mit dem (reinen) Indeterminismus kann man die aufgeworfenen Fragen daher
nicht besser beantworten.
Zusammenfassend möchte ich feststellen:
Die Frage, ob es trotz Determinismus einen freien Willen
geben kann oder nicht, ist im Hinblick auf die jeweiligen Konsequenzen überdiskutiert.
Dies ergibt sich bereits aufgrund von strukturellen und logischen Problemen.
Jede Theorie, ob deterministisch oder indeterministisch, die einen freien
Willen behauptet, kommt nicht umhin, den freien Willen letztlich auf reinen
Zufall zurückzuführen. Dieser kann jedoch schon begrifflich zu
keiner größeren Verantwortlichkeit der Menschen für ihre
Handlungen führen als vollständige Determiniertheit.
Um diese Überbewertung in der Literatur kurz zu
illustrieren, sei noch ein Beispiel angeführt:
Der englische Philosoph Ted Honderich hat 1993 in seinem
Buch "Wie frei sind
wir? Das Determinismus-Problem" eine eigene Determinismustheorie entwickelt
und sich dabei auch ausführlich mit den Auswirkungen des Determinismus
auf unser Leben beschäftigt.
Unter anderen beschreibt Honderich unsere Reaktion auf
den Determinismus mit zwei Hauptarten von Gefühlen, nämlich
Bestürzung und
Unnachgiebigkeit [8] .
Dies kann zusammengefaßt werden wie folgt:
Bestürzung würden wir empfinden, wenn uns der
Determinismus deutlich in seinen Konsequenzen bewußt würde. Unnachgiebig
reagieren wir, indem wir bestimmte Konsequenzen zwar zugeben, aber bestimmte
Lebenshoffnungen entwickeln, die sich damit dennoch vereinbaren lassen.
Diese Ausführungen sollte man auf ihre tatsächliche
Relevanz hin überprüfen.
Angenommen diesen Ausführungen läge nicht eine
deterministische Theorie zugrunde, sondern eine, die an irgendeiner Stelle
indeterministisch ist und auf Zufall zurückführt. Würde sich
an den von Honderich beschriebenen Gefühlen etwas ändern? Meines
Erachtens nicht. Wenn uns bewußt würde, daß unser ganzes
Leben auf Zufall basiert, der keinem Einfluß mehr unterliegt, würden
wir genauso bestürzt reagieren. Und auch dann würden wir wiederum
Lebenshoffnungen entwickeln, die damit in Einklang zu bringen sind; also
auch hier mit Unnachgiebigkeit reagieren.
Man kann dies im Hinblick auf die von Honderich in diesem
Zusammenhang ausführlich untersuchten Lebenshoffnungen auch verallgemeinern.
Obwohl man um Begrifflichkeiten und Einzelheiten sicherlich diskutieren kann,
so macht es für unsere Lebenshoffnungen, egal wie diese ausgeprägt
sind, wohl im Ergebnis keinen Unterschied, ob Determinismus gilt oder nicht.
Denn jede Lebenshoffnung basiert letztlich darauf, wie auch Honderich zutreffend
feststellt, daß wir auf unser zukünftiges Leben einen Einfluß
haben. Diese Lebenshoffnungen wären durch die intensive Vorstellung
des Determinismus oder des reinen Zufalls gleichermaßen gefährdet.
Auch wenn alles letztlich auf reinem Zufall basiert, hätten wir keinen
größeren Einfluß auf unser Leben als wenn alles schon determiniert
wäre.
Daher sehe ich die Ausführungen von Honderich in
diesem Bereich als Beispiel dafür an, daß solche Ausführungen
über den Determinismus letztlich nichts beinhalten, was nicht auch auf
Theorien zuträfe, die irgendeinen indeterministischen Teil enthalten.
4. Determinismus als Argument
überhaupt möglich?
Nun soll untersucht werden, ob der Determinismus überhaupt
argumentativ im menschlichen Miteinander einsetzbar ist. Es sei unterstellt,
der Determinismus würde gelten und unsere Handlungen wären vollständig
vorherbestimmt. Können Menschen sich dann auf den Determinismus berufen
und damit ihre Handlungen erklären oder rechtfertigen?
Es wurde bereits angedeutet, daß diese Problematik
insbesondere im Bereich der Rechtsphilosophie eine große Rolle spielt,
z.B. bei der Überlegung, ob Straftäter zur Rechenschaft gezogen
werden können, wenn ihr Verhalten tatsächlich determiniert ist.
Diese Frage in den verschiedensten Ausgestaltungen ist Gegenstand vieler
wissenschaftlicher Debatten.
Ausgangspunkt für die weiteren Überlegungen
sei zunächst der Fall, daß sich jemand mit dem Determinismus in
irgendeiner Weise entschuldigen will. Irgendeine Handlung soll verteidigt
werden, damit eine bestimmte Sanktion, z.B. eine Strafe, nicht verhängt
wird.
Dabei wird die Argumentation dergestalt ablaufen, daß
der Handelnde zu seinem Gegenüber sagt, daß das, was er getan
hat, in seinem Kausalverlauf bereits vollständig determiniert war, er
selbst sei Teil dieses Kausalverlaufs und könne deshalb nicht verantwortlich
gemacht werden, eine Sanktion sei nicht zu verhängen.
Dieser Argumentationsstruktur stehen mehrere grundlegende
Einwände entgegen.
Der erste Einwand, der völlig trivial ist und dennoch
meines Erachtens viel zu oft übersehen wird, ist folgender:
Demjenigen, der sich mit dem Determinismus gegen eine
bestimmte Sanktion verteidigen will, kann immer entgegengehalten werden,
daß diejenigen, welche die Sanktion verhängen, dabei genauso determiniert
sind wie er selbst zuvor bei seiner in Frage stehenden Handlung. Dabei ist
es völlig unerheblich, welche Determinismustheorie der Handelnde selbst
vertritt und auf welcher Betrachtungsebene er argumentiert, ob er z.B. die
Sache vom physiologischen oder psychologischen Determinismus aus angeht.
In jedem Fall, in dem der Handelnde von seiner Determinismustheorie wirklich
überzeugt ist, wird er einsehen müssen, daß diejenigen, welche
ihn sanktionieren, genau wie er davon betroffen sind.
Auf einer streng deterministischen Ebene kann man daher
gar nicht gegen eine Sanktion diskutieren, ohne seinem Gegenüber gerade
das treffendste Argument zu liefern, eben diese Sanktion doch zu verhängen.
Den Determinismus zur Erklärung eigener Handlungen
zu verwenden ist aber auch aus einem anderen Grund heraus nicht möglich.
Dieser Grund liegt darin, daß ein Mensch bzw. überhaupt
irgendein Wesen nie in der Lage sein kann, sein eigenes determiniertes Verhalten
vorauszusagen. Und zwar aus folgender Überlegung heraus, die auf den
Philosophen Karl Popper zurückgeht [9] :
Wenn ein Wesen seine Handlungen voraussagen will, so
müßte es den Gesamtzustand des Systems kennen, vom dem es selbst
ein Teil ist. Das ergibt sich daraus, daß nur dann, wenn der Gesamtzustand
des Systems (einschließlich des Wesens selbst) analysiert ist, auch
alle Faktoren, die für den Kausalverlauf relevant sind, erfaßt
werden. Wenn nun das Wesen den Zustand des Systems, in dem es sich befindet,
erkennt, so verändert sich damit auch sein eigener Zustand, da die Wissensspeicherung
in dem Wesen die Veränderung bzw. Neuanordnung von physikalischen Entitäten
bedeutet. Da das Wesen nun aber Teil des Systems ist, verändert sich
mit seinem eigenen Zustand immer auch der des Systems insgesamt. Das heißt
mit jedem Erkennen des Systems ändert sich automatisch dessen Zustand.
Durch diesen endlosen Zirkel ist eine "statische Erkenntnis" des Systemzustandes
gar nicht möglich.
Eine solche wäre aber, wie gesagt, erforderlich,
um eine Voraussage über den weiteren Kausalverlauf und die eigene Determiniertheit
zu tätigen. Somit kann eine Voraussage über eigenes zukünftiges
Handeln bereits aus logischen Gründen heraus nie erfolgen.
Daneben könnte man die Sache im Übrigen auch
pragmatischer betrachten und ohne Weiteres einsehen, daß ein Mensch
als solcher auch nicht nur ansatzweise die Informationsmengen speichern könnte,
die für eine derartige Voraussage erforderlich wären.
Aus diesem Umstand, daß die eigene Determiniertheit
nicht erkannt und künftige Handlungen nicht vorausgesagt werden können,
folgt die Untauglichkeit des Determinismus als Argument für jedwede
Rechtfertigung menschlichen Handelns.
Denn wenn jemand erklären würde, er hätte
so und nicht anders handeln müssen, dann kann ihm immer entgegengehalten
werden, daß er dies gar nicht wissen könne und genauso gut gerade
die andere Handlungsalternative hätte determiniert sein können.
Und vor allem, daß auch der Entscheidungsprozeß selbst, die Gewissensanspannung,
die Abwägung zwischen den Alternativen, die derjenige offensichtlich
nicht vorgenommen hat, hätte determiniert sein können.
Eine deterministische Position läßt daher
moralisch gerechtfertigtes Handeln ebenso zu wie willkürliches, und
da der Handelnde nicht weiß, wie er determiniert ist, stehen ihm aus
seiner Sicht beide Alternativen gleichermaßen offen.
[10] Fatalistische Positionen lassen sich mit dem
Determinismus nicht rechtfertigen.
Mit dem Determinismus kann daher im menschlichen Zusammenleben
oder auch z.B. in ethischen Diskussionen nicht wirklich argumentiert werden.
Die Unvorhersehbarkeit der eigenen Determiniertheit verhindert generell Entscheidungserleichterungen
und Rechtfertigungen durch den Determinismus.
Auch unter diesem Aspekt wird die Diskussion um die Konsequenzen
des Determinismus oft zu ausführlich geführt.
5. Zusammenfassung und Stellungnahme
Obwohl die Frage nach der Geltung des Determinismus für
unser wissenschaftliches Weltbild unzweifelhaft große Bedeutung hat,
so ist doch die Frage nach den tatsächlichen Konsequenzen des Determinismus
für unser Leben überbewertet.
Zum einen zeigen bereits allgemeine Überlegungen,
daß wir mit einer bestimmten Determiniertheit unserer Selbst eigentlich
keine Schwierigkeiten haben und damit im täglichen Leben gut umgehen
können.
Zum anderen zeigen genauere Untersuchungen, daß
jede Theorie über Determinismus und Indeterminismus letztlich vollständige
Determiniertheit zugeben oder alles auf reinen Zufall zurückführen
muß. Im Hinblick auf die Fragen, die unser Leben tatsächlich berühren,
wie freier Wille, Verantwortlichkeit und Lebenshoffnungen, macht dies im
Ergebnis keinen Unterschied.
Und schließlich entbehrt der Determinismus schon
generell jeder Eignung als Argument und Erklärung für menschliche
Handlungen, da die entsprechende Determiniertheit von dem handelnden Objekt
prinzipiell nicht erkannt werden kann.
Meines Erachtens sollte der Umgang mit dem Determinismus
im Hinblick auf seine Konsequenzen für unser Leben pragmatischer erfolgen.
Ausgangspunkt ist, daß wir unsere eigene Determiniertheit, wenn es
eine solche gibt, nicht kennen und unsere eigenen Handlungen nicht voraussagen
können.
Mit dem Grad an eigener Determiniertheit, der für
uns noch erkennbar ist, können wir ohne weiteres umgehen (siehe Ausführungen
unter 2.). Daß insoweit sogar ein gesellschaftlicher Konsens herrscht,
zeigt sich z.B. an einschlägigen Regelungen im Strafrecht.
Und aus dem Kern, der übrigbleibt, den wir nicht
mehr erkennen können, bilden wir gedanklich in irgendeiner Weise das,
was uns selbst ausmacht. Unabhängig davon, ob wir Vertreter deterministischer
oder indeterministischer Ideen sind, so schaffen wir uns immer, und hier
ist Honderich zumindest im Ergebnis rechtzugeben, unsere eigenen Lebenshoffnungen
und -ansichten, welche sich mit unseren jeweiligen Erkenntnissen und Meinungen
über Determinismus und Indeterminismus dennoch vereinbaren lassen. Dabei
ist in diesem Kernbereich eine genaue Bestimmung des freien Willens gar nicht
erforderlich und wird von uns meines Erachtens auch nicht wirklich vorgenommen,
wobei sicherlich auch bloße Verdrängung eine große Rolle
spielt.
Auch wenn sich die Grenzen dessen, was wir von uns selbst
als determiniert erkennen können, mit Fortschreiten der Wissenschaft
immer weiter verschieben mögen, so werden wir uns doch immer wieder
eine Vorstellung schaffen bzw. sogar schaffen müssen, daß es in
uns irgend etwas gibt, was uns selbst ausmacht, was wir als uns selbst definieren
und was die Fähigkeit zur Erstauslösung hat. Denn anders könnten
wir in unserer Welt gar nicht leben, da unsere gesamte Gedanken-, Begriffs-
und Denkstruktur darauf basiert, daß wir als selbständig handelnde
Individuen existieren.