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Politische Philosophie von Platon bis Machiavelli
Eine Darstellung der Entwicklung an ausgewählten Beispielen 1. Einleitung In dem hier vorliegenden Referat habe ich mich mit den Philosophen Platon, Aristoteles, Augustinus und Machiavelli auseinandergesetzt und jeweils eines ihrer Werke bzw. einen Auszug daraus analysiert und diesen dann in den historischen Kontext gestellt. Im folgenden Kapitel, genauer genommen in den dazugehörigen Unterkapiteln, werden Schriften der oben genannten Philosophen kurz in Form eines Essays vorgestellt, es werden Angaben zur Historie gemacht und das eigentliche Werk, bzw. der Ausschnitt daraus wird einer ersten Analyse unterzogen. Der eigentlich analytische Teil dieser Arbeit wird dann allerdings erst mit dem dritten Kapitel beginnen. Hier werden die Schriften in einigen expliziten Punkten detaillierter beschrieben, begutachtet und letztlich miteinander verglichen. Hierbei wird, neben der Aufdeckung von Unterschieden, auch nach Gemeinsamkeiten gesucht. Neben dieser neutralen Gegenüberstellung wird allerdings auch eine Wertung der Schriften zum tragen kommen. Hierbei soll es weniger darum gehen, eine Epoche, bzw. einen Philosophen auf einen Sockel zu stellen und alles andere als Schlecht abzuqualifizieren. Vielmehr geht es darum, werkimmanent zu kritisieren, daß heißt, sogenannte "Schwachstellen" bei den Philosophen aufzudecken und hierfür andere Lösungen zu suchen. In bezug auf die Literaturlage ist anzumerken, daß es erstaunlicher weise über die antiken, bzw. frühmittelalterlichen Philosophen wesentlich mehr Material zu geben scheint, als beispielsweise zu Machiavelli. Besonders erforscht scheint nach meinem Erkenntnisstand Aurelius Augustinus zu sein, über den ich eine Fülle von Büchern gefunden habe, die aufgrund ihrer mystischen Anmutung für wissenschaftliche Zwecke zum Teil jedoch unbrauchbar waren. 2. Kurze Essays zu Schriften einiger Philosophen von der Antike bis zum 16. Jahrhundert
2.1 Platon, Gorgias, III. Teil1
In Platons "Gorgias", seinem härtesten und konfrontativsten Dialog, wird eine Diskussion zwischen Sokrates und Kallikles geschildert.2 War es bisher so, daß dem Philosophen Sokrates fast niemand widersprochen hatte, weil niemand in der Lage war, seiner Rhetorik etwas entgegenzusetzen, so durchschaut Kallikles seine Redekunst ganz genau und kann somit seine Argumentationskette durchbrechen. In dem Dialog zwischen Sokrates und Kallikles wird, neben anderen Dingen, vor allem die Frage diskutiert, ob mit Macht besondere Laster verbunden sind, bzw. ob Macht zum Unrechtsein verführt oder nicht. Laut Sokrates werden Menschen, die keine Macht besitzen, niemals wirklich schlimme Dinge tun, weil ihnen eben die Macht dazu fehlt. Andererseits sind aber gerade diejenigen Menschen, in deren Händen sich Macht, politischer Natur, konzentriert, dazu angetan, Gewalt auszuüben und ungerecht zu sein. Aus diesem Grund plädiert er für eine Politik jedes Einzelnen und deckt im Gegenzug die Schwächen einer gemeinsamen Politik auf. Kallikles hingegen hat von Macht und Gerechtigkeit eine etwas andere Auffassung, seiner Ansicht nach beweist die Natur selbst, daß es gerecht ist, wenn der Bessere, bzw. der Stärkere mehr besitzt, als der Schwache, Schlechte. Eine wichtige Aussage Sokrates ist, daß Unrecht tun schlimmer ist, als Unrecht leiden. Seine Anforderung an die Politik ist demzufolge, daß gute Menschen geformt werden sollen, welche nicht nach materiellen Dingen trachten, sondern sich um die wahren Dinge des Lebens kümmern. Auch an dieser Stelle vertritt Kallikles eine konträre Position, er preist Luxus und Macht an, also Dinge, die laut seines Gegenüber negative Assoziationen beinhalten. Doch so verschieden die Standpunkte der beiden Dialogpartner auch sind, in einem Punkt finden sie, wenn auch nur Ansatzweise zueinander.3 Wie schon erwähnt, plädiert Kallikles, im Gegensatz zu Sokrates, für Luxus und Macht, also für die Verwirklichung jedes Einzelnen. Auch Sokrates stellt das Individuum über die Gesellschaft, zwar mit etwas andren Akzenten, aber hier nähern sich die beiden doch schon etwas an. Lediglich die Moralität dieser beiden Standpunkte differenziert, aber es gilt: Das Individuum ist alles, die Gesellschaft nichts.4 2.2. Aristoteles "Politik". III. 6-10; IV. 6-135
Dieser Auszug aus Aristoteles "Politik" beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Frage, wie Staat zu definieren ist und welche unterschiedlichen Ausprägungen von Politik bzw. Regierung in einem solchen Gebilde herrschen können. Auffällig am gesamten aristotelischen Werk ist die Kritik an Platons Politeia,6 welcher er jedoch keine eigene Konstruktion eines Staates gegenüberstellt, sondern erst einmal analysiert, welche Funktionen ein Staat überhaupt hat. Hat Platon in seinem Werk die extreme Position vertreten, daß alle Menschen eines Staates Alles besitzen sollen, so postuliert Aristoteles eine pluralistische Staatsform, in der die Vielfalt zum Tragen kommt. Des weiteren geht er der Frage nach, ob alle Bürger an allen Entscheidungen Anteil haben sollen oder nur an einigen und an anderen eben nicht. Laut Aristoteles ist die Basis eines jeden Staates die Gemeinschaft, die in mehreren Stufen entsteht. Am Anfang dieser Kette stehen Mann und Frau, welche Nachkommen erzeugen, wodurch ein Haus entsteht. Diesem folgt das Dorf, ein Zusammenschluß mehrerer Häuser, dann die Zusammenlegung mehrerer Dörfer und mit dem erreichen der vollkommenen Autarkie entsteht ein Staat. Dieses passiert zwangsläufig, da der Mensch von Natur aus ein staatenbildendes Lebewesen ist, was auch von Natur aus ursprünglicher ist. Staat ist nach Aristoteles allerdings viel mehr als nur örtliche Nähe und Schutz, sondern "Gemeinschaft, in einem guten Leben unter Häusern und Geschlechtern, zum Zwecke eines vollkommenen und selbst genügenden Daseins".7 Die Verfassung ist für ihn die Staatsordnung, welche die Gewalten regelt und von der Regierung eines Staates repräsentiert wird. Als gut bezeichnet er allerdings nur diejenigen, die auf gemeinsames Nutzen abzielen und nicht nur den Regierenden zum Vorteil sind.8 Im Folgenden analysiert Aristoteles dann die unterschiedlichen Staatsformen, wobei er auch Mischformen heraus arbeitet und dabei verdeutlicht, wie schwierig es zum Teil ist, exakte Grenzen zu ziehen. Um beispielsweise Oligarchie und Demokratie voneinander abzugrenzen, geht er der Frage nach, wie das Recht in beiden Staatsformen zu definieren ist, doch auch so gelangt er zu keiner klaren Abgrenzung, da es viele verschiedene Ausprägungen dieser Regierungen gibt, je nachdem wie viele Menschen in dem Staat leben und wie hoch das Staatsvermögen ist, so daß diese Frage nicht eindeutig zu klären ist. Neben diesen beiden Staatsformen existieren noch die Monarchie, die Politie, die Aristokratie und die Tyrannis, wobei letztere für Aristoteles keine Verfassung im wirklichen Sinne ist. Die Aristokratie stellt für ihn die Verfassung dar bei der die Obrigkeit am Tugendhaftesten ist,9 die Politie hingegen ist für ihn eine Mischung aus Oligarchie und Demokratie. Politie heißt es im Grunde genommen jedoch nur, wenn sich die Staatsform mehr der Demokratie zuwendet, andernfalls kommt es eher einer Aristokratie gleich. Im Weiteren analysiert Aristoteles die Zusammensetzung eines Staates, bzw. welche Mischung an Menschen am Besten ist, um einen Staat tragen zu könne. Seiner Meinung nach sollte sich die Gemeinschaft eines Staates auf den Mittelstand gründen, weil dieser am leichtesten der Vernunft gehorcht. Hierbei wäre es am Besten, wenn jeder ein ausreichendes Vermögen besitzt, weil so die Gefahr am geringsten ist, daß eine extreme Regierungsform, wie etwa eine reine Oligarchie oder Tyrannis entsteht. Dieses ist in kleineren Staaten oft schwer zu realisieren, weil diese häufig in zwei Klassen zerfallen und die breite Mittelschicht somit fehlt.10 Grundlegend für das Bestehen einer Verfassung ist die Tatsache, daß derjenige Teil, der diese stützt größer sein muß als der, der die Gesetze ablehnt. Auch muß sich Qualität und Quantität, also das Verhältnis zwischen solchen Dingen wie Freiheit und Bildung auf der einen und die reine Anzahl der Menschen auf der anderen Seite die Waage halten, damit sich eine angemessene Verfassung herausbildet.11 Abschließend ist zu den Auszügen aus Aristoteles "Politik" noch anzumerken, daß es schwierig ist, eine allen gerechte Staatsform bzw. Verfassung zu schaffen, weil es immer Menschen gibt, die bevor- oder benachteiligt werden. Auch wenn man sinnvollerweise, wie von Aristoteles vorgeschlagen, die breite Mittelschicht als Basis nimmt, wird es trotzdem zu manchen Schwierigkeiten kommen können. Aristoteles vertritt in seinem Werk die Pluralität, weil nur so das oberste Ziel eines Staates, nämlich Autarkie, erreicht werden kann. Bei einer homogenen Masse wäre dieses nicht gegeben. Dieses ist meiner Ansicht nach ebenso schlüssig und wünschenswert, wie Aristoteles Anpreisung einer guten Mischung aus Privat- und Gemeineigentum für eine gute Organisation des Staates. 2.3. Aurelius Augustinus: Vom Gottesstaat (De civitate dei)
Viertes Buch 1-6, Fünftes Buch 24ff.12 Die oben genannten Auszüge aus Aurelius Augustinus "Vom Gottesstaat" stellen eine fundamentale Kritik am antiken Denken dar, indem dieses nach christlichen Gesichtspunkten Stück für Stück widerlegt wird.13 Nach der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion 391 durch Konstantin wurden alle heidnischen Religionen verboten und verfolgt. Zwei Jahrzehnte später wurde Rom dann von den Westgoten überfallen und geplündert, woraufhin die Heiden verbreiteten, das Christentum sei Schuld am Untergang Roms gewesen. Augustinus Werk ist auch als eine Antwort auf diesen Vorwurf zu verstehen, indem er den einzig wahren Charakter der christlichen Religion aufzeichnet. Den Anhängern der heidnischen Religionen wirft er vor, weltlichen Dingen nachzulaufen und deren Götter bezeichnet er als Geister und Dämonen, die dem Staat schweres Übel zugefügt haben.14 Für ihn ist die heidnische Lehre ein Dogma ohne Hoffnung, während das Christentum ewige Seligkeit verspricht. So steht für ihn auch der Glaube und nicht das Denken im Vordergrund. Besondere Betonung legt Augustinus immer wieder darauf, daß es sich hierbei um Theologie und nicht um politische Philosophie handelt.15 Auffällig ist die strikte Unterscheidung zwischen "civitas terrena" also dem Weltstaat und dem "civitas dei", dem Gottesstaat. Ersterer hat nur geringe Bedeutung, herrscht in ihm doch, laut Augustinus, der Teufel. Im "civitas dei" hingegen herrscht Christus als König. Anzumerken ist, daß der weltliche, von Menschen erschaffene Staat, bzw. seine Politik, zwar als böse entlarvt werden, man sich seiner aber trotzdem gerne bedient. Im Weiteren werden dann große Reiche beschrieben, die durch fehlende Gerechtigkeit schnell zu Räuberbanden werden können. Für Augustinus ist jedoch jeder weltliche Staat, sofern er weltliche Ziele verfolgt, eine Räuberbande, seine Sichtweise ist in diesem Fall also sehr intolerant, wenn nicht sogar fundamental. Insofern bezeichnet er den römischen Staat nicht als Räuberbande, weil in ihm in gewissem Maße Recht, nach dem Verständnis Augustinus, herrscht und, und daß ist entscheidend, weil er zur Ausbreitung der christlichen Religion beigetragen hat.16 So ist es für ihn auch nicht wichtig, wie lange ein Kaiser regiert hat und wie viele Schlachten er gewonnen hat, sondern letzten Endes nur die Tatsache, inwiefern er das Christentum gelebt und verbreitet hat. Nur so kann sich ein Kaiser Hoffnung auf ewige Glückseligkeit machen. Die Macht eines Kaisers wird laut Augustinus nun auch nicht mehr durch politische Motive, sondern alleine durch theologische legitimiert, daß heißt, der weltliche Herrscher muß ganz im Sinne Gottes agieren, ansonsten ist er nicht gewollt. Abschließend ist zu Augustinus Werk "Vom Gottesstaat" anzumerken, daß es sich hierbei um eine Abrechnung mit den antiken Gottesvorstellungen handelt, welche ausnahmslos kritisiert werden. Er sieht das Christentum als einzige wahre Religion an und verurteilt jeden, der dieses nicht lebt, bzw. an dieses Dogma glaubt. Dadurch wird Augustinus in diesem Punkt praktisch zu einem Fundamentalisten, der nichts außer seiner Meinung toleriert.17 Allerdings darf man bei der Betrachtung des Werkes die damalige Zeit und die Umstände nicht außer acht lassen. Waren einst die Christen die verfolgte Minderheit, so wurde ihr Glaube zur Staatsreligion erhoben, doch anstatt es besser zu machen, als ihre damaligen Verfolger, praktizierten ach sie die gnadenlose Unterdrückung Andersgläubiger. Auch Aurelius Augustinus ist zweifellos zu diesen Fanatikern zu zählen, wie dieses Werk beweist. 2.4 Niccolo Machiavelli: Der Fürst:
Kap. 8-9;17-18; 21-22; 25-2618 In den oben genannten Kapiteln aus Machiavellis "Der Fürst" treten die Prämissen des florentiner Politikers deutlich hervor. Er vertritt eine Herrschaft, bei der zum Zwecke der Effizienssteigerung in der Politik moralische Schranken niedergerissen werden und die Erhaltung und Festigung der Staatsinteressen im Vordergrund steht, wobei das Anliegen des Einzelnen zurücktritt. Als Mittel zur Politikausübung können dabei auch Täuschung, Verrat und Bestechung angewandt werden. Nicht zuletzt aufgrund dieser Tatsachen gilt Machiavelli als erster Theoretiker, der die Staatsräson proklamiert hat und gnadenlos die Schwächen der Menschen aufgedeckt hat, die ein Politiker dann für sich ausnutzen muß. Historisch stehen diese Ideen in engem Zusammenhang mit dem kulturellen und wirtschaftlichen Niedergang von Machiavellis Heimatstadt Florenz,19 weswegen sein Konstrukt auch häufig als Versuch zur Krisenbewältigung gesehen wurde. Am Anfang werden die Möglichkeiten beschrieben, mit deren Hilfe man zum Fürsten aufsteigen kann, nämlich einmal durch Gewalt, bzw. Grausamkeiten und zum anderen durch die Gunst seiner Mitbürger. Die Anwendung von ersterem rechtfertigt Machiavelli damit, daß, wenn sie aus der Not heraus geschehen durchaus sinnvoll sind, allerdings muß man Gewalttaten auf einmal und nicht nach und nach begehen, weil ihre Masse so nicht so stark auffällt. Bei der zweiten Möglichkeit, nämlich durch die Gunst seiner Mitbürger zum Fürsten aufzusteigen, basiert auf einer von Glück begleiteten Schlauheit. Man muß versuchen, das Volk hinter sich zu bringen, indem man ihm Schutz verspricht, denn ohne das Volk auf seiner Seite hat man im Krisenfall keine Unterstützung. Des weiteren muß ein Fürst sein Geschick so einsetzen, daß das Volk den Staat in jeder Situation benötigt und bereit ist, für diesen alles zu tun. Im Folgenden legt Machiavelli dar, wie ein Fürst zu sein hat, damit er die Menschen hinter sich bringt. Er darf weder zu hart, noch zu milde sein, im Zweifelsfall ist es aber angebracht, zu ersterem zu tendieren, da man so unantastbarer ist. Andersherum muß der Fürst darauf aus sein, daß ihm selber sowenig Haß wie möglich entgegenschlägt, um in seinem Sinne regieren zu können. Hierbei darf er auch ruhig Tugenden wie Treue außer Acht lassen, wenn er damit Staatsinteressen schützt. Machiavelli ist grundsätzlich der Meinung, daß ein Fürst gewisse Eigenschaften, wie Treue, Milde und Menschlichkeit besitzen muß, aber ebenso muß er in der Lage sein, diese für politische Zwecke in ihr Gegenteil zu verkehren. Anschließend geht Niccolo Machiavelli der Frage nach, wie ein Fürst zu Ruhm und Ansehen gelangt.20 Seiner Ansicht nach muß er sich durch Taten auszeichnen und alles daran setzen, einen hervorragenden Ruf zu erwerben, indem er zum Beispiel besonders herausragende Männer ehrt. Auch muß er darauf bedacht sein, seine ihm zur Seite stehenden Minister mit Sorgfalt auszuwählen. Diese müssen in jeder Lage die Interessen des Staates in den Vordergrund rücken und ihre eigenen Interessen zurückstellen. In bezug auf ein von Gott und Glück vorbestimmtes Leben vertritt Machiavelli die Meinung, daß man selber, zum Beispiel durch Leistung, viel zu seinem eigenen Glück beitragen kann. Aus diesem Grund kann sich ein Fürst auch nicht alleine auf das Glück verlassen, denn dieses wäre sein Untergang.21 Auf seine persönliche Sicht eingehend und als kleines Resüme ist Machiavelli der Ansicht, daß Italien einen neuen Fürsten braucht, praktisch einen Retter und Erlöser, der der Barberei ein Ende macht. Zusammenfassend läßt sich zu diesen Abschnitten aus "Der Fürst" sagen, daß hierbei eine Herrschaft, gespickt mit kleinen und großen Grausamkeiten für gut empfunden wird. Alles zielt darauf ab, die Staatsinteressen in den Mittelpunkt zu stellen, wofür jedes Mittel recht ist. Durch diese Art der Herrschaft verspricht sich Machiavelli eine größtmögliche Politikeffiziens,22 was ich persönlich als sehr fragwürdig erachte. In Anbetracht der damaligen historischen Umstände im Umfeld des Florentiners sind seine Gedanken in Ansätzen eventuell noch nachzuvollziehen, doch um richtig Politik betreiben zu können, bedarf es schon der Einhaltung einiger Tugenden. 3. Bewertende Zusammenfassung: Wie hat sich die politische Philosophie von Platon bis Machiavelli entwickelt?
Wurden im vergangenen Kapitel, bzw. in den Unterkapiteln Schriften einiger ausgewählter Philosophen von der Antike bis zum 16. Jahrhundert kurz in Essayform dargestellt, so soll es in diesem Kapitel darum gehen, diese an einigen, expliziten Beispielen, miteinander zu vergleichen und die Entwicklung der politischen Philosophie aufzuzeichnen. Hierbei soll, neben der Aufdeckung von Unterschieden, auch nach eventuellen Gemeinsamkeiten gesucht werden. Ferner wird auch eine immanente Kritik vorgenommen werden, daß heißt, die Werke der Philosophen werden auf interne Widersprüche hin untersucht. Als erster, deckungsgleicher Ansatz bei allen Philosophen fällt auf, daß sie sich mit dem Herrschaftssystem ihrer Zeit auseinandergesetzt haben, dieses analysiert und kritisiert haben und diesem dann letztlich eigene Ideen gegenübergestellt haben. Die ersten beiden in diesem Referat behandelten Philosophen, also Platon und Aristoteles, sind eindeutig der Antike zuzurechnen und stellen innerhalb dieser Epoche herausragende Persönlichkeiten dar. Platon, Schüler des Sokrates, legte den Schwerpunkt seiner Wirkung in die mündliche Lehrtätigkeit, was typisch für die frühe Antike ist.23 Er nimmt, wie fast alle Philosophen eine kritische Haltung gegenüber dem Denken seiner Zeit ein, besonders den Sophisten steht er ablehnend gegenüber. In seinem gesamten Werk vereint sich alles vorangegangene der griechischen Philosophie, unter anderem verarbeitet er auch Grundzüge der alten Naturphilosophie. Immanent läßt sich der antike Philosoph besonders deutlich an einem Punkt kritisieren: Er mißachtet in seinem Werk den untrennbaren Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher und politischer Macht.24 Regierende würden in Platons Konstrukt ohne erstere dastehen, diese würde sich statt dessen in den Händen anderer Stände konzentrieren. Auch wird Platon häufig vorgeworfen, er habe aus Angst vor dem Mißbrauch demokratischer Rechte und geistiger Freiheit einen allmächtigen Staat mit militärischer Disziplin und Zensur gefordert. Aus diesem Grund fragen sich einige Leute der gegenwärtigen Zeit, ob Platon mit seinen Ideen nicht der geistige Ahnherr totalitärer Systeme des 20. Jahrhunderts ist, was ich meinerseits jedoch nicht bestätigen kann. Mit Sicherheit hat Platon mit seinen Ideen weit über die Antike hinaus gewirkt, doch sind meiner Ansicht nach seine Konstrukte im engen Zusammenhang mit der Athener Demokratie zu sehen und lassen sich auch nur auf diese anwenden. Bei dem zweiten von mir analysierten Philosophen, also Aristoteles, fällt eines sofort ins Auge: Die grundlegende Platon- Kritik, welche sich durch sein ganzes Werk zieht.25 Laut der aristotelischen Philosophie besteht der Staat aus einer Vielheit von Menschen, welche auf keinen Fall vereinheitlicht werden dürfen. Oberste Priorität hat zudem die Tatsache, daß der Staat kein bloßer vertragsmäßiger Zusammenschluß ist, sondern daß noch mehr hinzukommen muß, als wirkliche Gemeinschaft und ein Vertragsgerüst. Im Vergleich zu Platon fällt bei Aristoteles auf, daß er eher mit kühner Nüchternheit ,als mit kühnen Gedankenflügen, seine Ideen verbreitet. Er neigt dazu, den Stellenwert der Logik etwas zu überhöhen, es gilt aber als Unbestritten, daß nur Aristoteles der jenige war, der das Fundament für diese Wissenschaft gelegt hat. Verwunderlich ist es daher, daß Aristoteles Werke erst über die Antike hinaus Anerkennung fanden, ja sogar erst ab dem 13. Jahrhundert vollständig zur Kenntnis genommen wurden. Waren Platon und Aristoteles noch Philosophen, die sich eindeutig einer Epoche zuordnen ließen, so gestaltet sich das bei Aurelius Augustinus schon etwas schwieriger. Zumeist wird er allerdings, zurecht, dem Mittelalter zugerechnet, denn bei ihm steht nicht mehr das Denken, sondern der Glaube im Vordergrund. Mit ihm begann praktisch der Umbruch von der politischen Philosophie zur politischen Theologie. Durch sein gesamtes Werk "De civitate dei" zieht sich ein roter Faden: Die christliche Auseinandersetzung mit den heidnischen antiken Religion und die völlige Überhöhung des Christentums zum einzig wahren Glauben.26 Mit dieser Einstellung war Augustinus Wegbereiter für das mittelalterliche Denken und läßt sich eindeutig von antiken Philosophen, wie Aristoteles und Platon abgrenzen. Auffällig am augustinischen Werk ist die Tatsache, daß er, als Christ, welcher eigentlich Nächstenliebe und Toleranz forcieren sollte, so totalitär den antiken Gottheiten gegenübersteht und diese ausrotten will. Diese Grundhaltung, also die Überhöhung des Christentums und die fundamentale Verfolgung Andersgläubiger ist dann auch typisch für die gesamte mittelalterliche Epoche. Einer ganz anderen Zeit läßt sich der letzte von mir skizzierte Philosoph, der florentiner Niccolo Machiavelli zuordnen. Historisch betrachtet befinden wir uns mit Machiavelli in einer Zeit, in der der wirtschaftliche Abstieg seiner Heimatstadt Florenz nicht mehr aufzuhalten ist. Die historische Stände- und Gefolgschaftsordnung befindet sich gerade in der Auflösung, woraus eine Machtkonzentration in den Händen der Fürsten entsteht. Machiavelli sprengt mit seinen Ideen das Jahrhunderte lang andauernde Bild eines religiösen Staates und wendet sich radikal gegen das mittelalterliche Denkmuster.27 Er war der erste Theoretiker, der die Staatsräson proklamierte- Der Staat war alles, das Individuum nichts. Alles in allem ist sein Werk "Der Fürst" auch als eine Art Hilferuf zu verstehen- Hilfe für das Wiedererstarken seiner Heimatstadt, welche nur durch eine starke Hand wieder zu ehemaligem Ruhm kommen kann.28 Hierbei übersieht Machiavelli allerdings, daß man nicht nur alleine durch Gewalt eine Herrscherrolle erreichen kann, sondern durchaus auch einige Tugenden einhalten muß. Nach einer abschließenden Betrachtung der von mir dargestellten Tatsachen bzw. Forschungsergebnissen läßt sich sagen, daß die politische Philosophie im Laufe der Jahrhunderte eine enorme Entwicklung vollzogen hat. Je nach historischer Gegebenheit oder Charakter waren die Forderungen nach einem Umbruch mal totalitärer, bzw. fundamentaler, doch immer wurde das Bestehende kritisiert und diesem ein anderes Konstrukt gegenübergestellt. 4. Literaturverzeichnis
Sie haben hier auch die Möglichkeit, themenbezogene Bücher zu bestellen. Aristoteles: Politik. Übersetzt und mit erklärenden Anmerkungen versehen von Eugen Rolfes. Mit einer Einleitung von Günther Bien. Hamburg 1981. III, 6-10; IV,6-13. Augustinus, Aurelius: Vom Gottesstaat (De civitate dei). Buch 1 bis 10. München 1977. IV,1-4; V,24ff. Diesner, Hans- Joachim: Niccolo Machiavelli. Mensch, Macht, Politik und Staat im 16. Jahrhundert. Bochum 1988. Horn, Christoph (Hrsg.): Augustinus. De civitate dei. Berlin 1997. Machiavelli, Niccolo: Der Fürst. Aus dem italienischen übertragen von Erst Merian- Genast. Mit einer Einführung von Hans Freyer. Stuttgart 1961. Kap. 8-9; 17-18; 21-22; 25-26. Neumann, Franz (Hrsg.) : Handbuch Politische Theorien und Ideologien I. München 2. Auflage 1998. Neumann, Uwe: Augustinus. Hamburg 1998. Platon: Werke des Aufstiegs. Euthyphron, Apologie, Kriton, Gorgias, Menon. Zürich 1974. Gorgias III. Teil. S. 324-400. Reese- Schäfer, Walter: Antike politische Philosophie. Zur Einführung. Hamburg 1998. Schmidt, Manfred G.: Demokratietheorien. München 3. Auflage 2000. S.29-59. Störig, Hans- Joachim: Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Stuttgart Überarbeitete Neuauflage 1999. |