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2.1.8
Fazit All dies ist natürlich keine hinreichende Erklärung für das Grauenhafte, das von totalitären Regimen verwirklicht wurde. Und auch Hannah Arendts auf über 700 Seiten dargelegte Analysen vermitteln nicht den Eindruck, das Phänomen sei hinreichend erklärt. Das kann und will Arendt auch gar nicht leisten. Sie sagt dazu: [29]
Zu erklären ist das
totalitäre Phänomen aus seinen Elementen und Ursprüngen so
wenig und vielleicht noch weniger als andere geschichtliche Ereignisse von
großer Tragweite.
Erklären und Verstehen sind als Reaktion dem Phänomen auch gar nicht allein angemessen. Noch viel wesentlicher scheint mir das Problem, emotional angemessen zu reagieren; und ich sehe keine Schwächung, sondern im Gegenteil eine Stärkung der rationalen Position darin, wenn bei der Beschäftigung mit diesem Thema neben die Tinte des Wissenschaftlers die Tränen des fühlenden Menschen treten. Denn gerade das, was der rationalen Erkenntnis schwer zugänglich ist, erweist sich manchmal als das Wichtigste: die Schmutzränder auf der Menschennatur, die alle wissenschaftlichen Versuche zur Erklärung von Greueltaten überdauern. Hannah Arendt sagt dazu:[30]
Begreifen bedeutet freilich
nicht, das Ungeheuerliche zu leugnen, das Beispiellose mit Beispielen zu
vergleichen oder Erscheinungen mit Hilfe von Analogien und Verallgemeinerungen
zu erklären, die das Erschütternde der Wirklichkeit und das Schockhafte
der Erfahrung nicht mehr spüren lassen. Es bedeutet vielmehr, die Last,
die uns durch die Ereignisse auferlegt wurde, zu untersuchen und bewußt
zu tragen und dabei weder ihre Existenz zu leugnen, noch demütig sich
ihrem Gewicht zu beugen, als habe alles, was einmal geschehen ist, nur so
und nicht anders geschehen können. Kurz: Begreifen bedeutet, sich aufmerksam
und unvoreingenommen der Wirklichkeit, was immer sie ist oder war, zu stellen
und entgegenzustellen.
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