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Kirstin Zeyer (M.A.)
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Friedrich Nietzsche (1844-1900)

SS 1996. Proseminar: Friedrich Nietzsche. Ausgewählte Schriften.
Seminarleiter: Prof. Dr. Ulrich Hoyer.

1. Das Elternhaus
In Nietzsches Elternhaus war man seit Generationen dem lutherischen Glauben verbunden und verkörperte alle Tugenden und Überzeugungen des deutschen Pfarrhauses.
Schon der Großvater väterlicherseits, Friedrich August Ludwig Nietzsche, brachte es zum Superintendenten und schrieb in den Zeiten von Kants Kritizismus und westlichem Freigeistertum ein Buch mit dem Titel: "Gamaliel oder die immerwährende Dauer des Christenthums, zur Belehrung und Beruhigung bey der gegenwärtigen Gährung in der theologischen Welt". Nach dem Tode seiner Frau, die ihm 7 Kinder hinterließ, heiratete er eine junge Witwe, die auch aus einer Pfarrersfamilie kam. Dieser zweiten Ehe entstammten drei weitere Kinder: "Tante" Auguste und "Tante" Rosalie, wie sie Nietzsche später im Elternhaus erleben sollte, und sein Vater, Carl Ludwig.
Nietzsches Vater war zunächst Hauslehrer, dann Erzieher der Töchter des Herzogs zu Altenburg. Mit seinen beiden unverheirateten Schwestern zog er dann nach Röcken bei Lützen im preußischen Sachsen, wo ihm Friedrich Wilhelm IV. von Preußen eine Pfarrstelle angewiesen hatte. Dem häuslichen Regiment der Schwägerinnen hat sich Nietzsches Mutter zu unterwerfen, als sie Carl Ludwig Nietzsche im Jahre 1843 heiratet. Sie war 17 Jahre alt und die jüngste Tochter des Landpfarrers Oehler.
Im Jahr darauf, am 15. Oktober 1844 wird ein Junge geboren, am Geburtstag des preußischen Königs. Der Vater tauft den Sohn, der später familiär auch "Fritz" gerufen wird mit den Worten:
"Mein Sohn, Friedrich Wilhelm, so sollst Du genennet werden auf Erden, zur Erinnerung an meinen königlichen Wohltäter, an dessen Geburtstag Du geboren wurdest".
Friedrich Wilhelm bekam noch 2 Geschwister: 1846 wurde die Schwester Elisabeth geboren und 1848 ein Bruder Joseph, der aber, gerade zweijährig, wenige Monate nach dem Tode des Vaters starb. Zu dem Unglück des Vaters kam es, als er sich im August 1848 als Folge eines Sturzes eine Gehirnerkrankung zuzog, der er elf Monate später erlag. Diese Gehirnerkrankung wurde damals als "Gehirnerweichung" diagnostiziert und steht nach Vermutung vieler Biographen wahrscheinlich nicht im Zusammenhang mit Nietzsches spätem Wahnsinn. Nietzsche war zu diesem Zeitpunkt noch nicht 5 Jahre alt, als er seinen Vater verlor.
Auf Veranlassung der Großmutter zog die Familie im April 1850 nach Naumburg an der Saale. Die Familie bildeten nun mehr ausschließlich Frauen: die Großmutter, zwei Tanten, die junge Mutter und die Schwester.
Die Familie hatte trotz ihrer Biederkeit eine gewisse weltläufige Lebensart, Nietzsches Vater besaß erheblich musikalisches Talent, er komponierte selbst, improvisierte vortrefflich auf dem Klavier.
Großvater Oehler liebte die Jagd, das Klavierspiel, die Musik und förderte Liebhaberbühnen.

Faktoren, die Nietzsche beeinflussen sollten:
- Der kleine Nietzsche wuchs mit dem Sendungsgefühl eines Königs- oder Gotteskindes auf (an seinem Geburtstag läuteten die Glocken und die Kinder bekamen schulfrei; spätere Wahnsinnsbriefe)
- Familie schuf sich eigene Legende: besonders Tanten Auguste und Rosalie pflegten zu erzählen, sie hätten unter den Vorfahren einen edlen polnischen Grafen (Bewußtsein der Besonderheit, "Nietzky", Stammbaum)
-Tod des Vaters mit 36 (Angst vor Tod, Wahnsinn, Lebenswerk- und Planung, die "Lebensmitte" mit 35)

2. Das Schulkind (Der kleine Pastor)
Der Umzug vom ländlichen Pfarrhaus in die Enge der Naumburger Stadtwohnung traf Nietzsche hart. Er besuchte zunächst die städtische Bürgerschule, in der es ihm gar nicht gefallen wollte und fand dort auch keine Spielkameraden. Erst in einer privaten Anstalt, die Kinder auf das Domgymnasium vorbereitete, schien es ihm besser zu gehen. Dort gewann er seine ersten Freunde: Wilhelm Pinder und Gustav Krug, Juristensöhne aus dem Bekanntenkreis der Großmutter. Zusammen mit den Freunden trat er im Alter von 8 Jahren in das Domgymnasium ein. Der junge Nietzsche, der von seinen Mitschülern schon in der Bürgerschule den Titel "der kleine Pastor" erhielt, hatte wenig an den Spielen anderer Kinder teil. Der 13 jährige erinnert sich in seinen autobiographischen Aufzeichnungen mit dem Titel "Aus meinem Leben" an die eher gedämpfte Atmosphäre in Röcken, nämlich an seinen Lieblingsplatz in der Studierstube, an den Obstgarten und die Wiese hinter dem Haus, an einen Blumengarten mit Lauben und Sitzen, wo er sich am liebsten aufgehalten hat:
"Hinter dem grünen Zaun lagen vier Teiche, mit Weidengebüsch umgeben. Zwischen diesen Wässern zu gehen, die Sonnenstrahlen auf der Spiegelfläche und die munteren Fischlein spielen zu sehen, das war meine größte Lust".
Der Dichter und Pfarrerssohn Gottfried Benn hat seine märkische Jugend im Vergleich so beschrieben:
"Dort wuchs ich mit den Dorfjungen auf, sprach Platt, lief bis November barfuß, lernte in der Dorfschule, wurde mit den Arbeiterjungen zusammen eingesegnet, führ auf dem Erntewagen in die Felder, auf die Wiesen zum Heuen, pflückte auf den Bäumen die Kirschen und Nüsse".
Nichts dergleichen bei dem kleinen stillen Friedrich Wilhelm, der freilich nur seine ersten vier Lebensjahre in Röcken, später nur die Ferien auf dem Lande verbringt.
"Der kleine Pastor" war überdies außerordentlich brav: Elisabeth berichtet, daß er bei Platzregen, während alle aus der Schule nach Hause stürmten, ruhigen Schrittes weitergewandelt sei, über der Kappe die Schiefertafel, über der Tafel ein Taschentuch. Durchnäßt kam er an. Warum er nicht gelaufen sei wie die anderen? Nun, die Schulordnung besage, die Knaben hätten beim Verlassen der Schule ruhig und gesittet nach Hause zu gehen.
Der Naumburger Familienkreis mit dessen hohen religiösen und moralischen Ansprüchen brachte es mit sich, daß er sich früh auf gelehrte Weise schreibend die Zeit vertrieb. Mit zehn Jahren komponierte er eine Motette und schrieb immerhin schon 50 Gedichte. Er erhielt auch Klavierunterricht, aber er erlernte nicht, was das ABC des Komponierens war: Der Kontrapunkt. So sehr ihn das Phantasieren am Klavier fesselte und die Musik zu seiner stärksten Leidenschaft wurde, so blieb er doch zu seinem bittersten Leidwesen zeitlebens im Dilettantischen stecken.
Vier Jahre später, noch nicht ganz vierzehnjärig, begann er sein Tagebuch mit seiner überaus altklugen Autobiographie "Aus meinem Leben", in der sich aber schon die sprachliche Fähigkeit abzeichnet und selbstkritische Gedanken in einer Hellsichtigkeit stehen, die den künftigen Nietzsche verraten. So etwa, wenn er über die 4 Jahre zurückliegenden lyrischen Versuche des Zehnjährigen schreibt:
"Auch fallen in diese Zeit meine ersten Gedichte. Das, was man in diesen ersten zu schildern pflegt, sind gewöhnlich Naturszenen. Wird doch jedes jugendliche Herz von großartigen Bildern angeregt, wünscht doch jedes dieser Worte am liebsten in Verse zu bringen! Grauenhafte Seeabenteuer, Gewitter mit Feuer waren der erste Stoff... Ich hatte keine Vorbilder, konnte kaum mir denken, wie man einen Dichter nachahme, und formte sie, wie die Seele sie mir eingab. Freilich entstanden da auch sehr mißlungene Verse und fast jedes Gedicht hatte sprachliche Härten, aber diese erste Periode war mir dennoch bei weitem lieber als die zweite, die ich erwähnen will. Überhaupt war es stets mein Vorhaben, ein kleines Buch zu schreiben und es dann selbst zu lesen. Diese kleine Eiltelkeit habe ich jetzt immer noch.[...]".
Und wenige Seiten weiter heißt es: "Ein gedankenlehres Gedicht, das mit Phrasen und Bildern überdeckt ist, gleicht einem rotwangigen Apfel, der im Innern den Wurm hat. Redensarten müssen in einer Dichtung vollständig fehlen; denn der häufige Gebrauch von Phrasen zeugt von einem Kopf, der nicht fähig ist, selbst etwas zu schaffen."
Selbst das später wiederkehrende Motiv des Wanderes gebrauchte Nietzsche schon in seinen ersten Gedichten.
Den Vätern der Naumburger Freunde Wilhelm Pinder und Gustav Krug verdankte er einiges, was ihm der zu früh gestorbene eigene Vater nicht mehr hatte geben können: Pinders Vater hatte große literarische Neigungen, er brachte Goethe den Jungen nahe. Geheimrat Krug aber war nicht nur ein persönlicher Freund Mendelssohns und anderer Musiker der Zeit, er selbst komponierte und war ein guter Virtuose. In beiden Häusern verkehrte Nietzsche gern und häufig, und so kam er in einem für sein Alter ungewöhnlichem Maße mit Literatur und Musik in Berührung. Mozart und Haydn, Schubert und Mendelssohn, Beethoben, Bach und Händel sind die Bausteine seiner musikalischen Bildung in den Naumburger Jahren. Der "Zukunftsmusik" eines Berlioz oder Liszt steht der Knabe skeptisch gegenüber.
Trotz schwacher Rechtschreibung und Grammatik und häufigem Kränkeln zeichnete sich Nietzsche allmählich so sehr in der Schule aus, daß er für eine Freistelle in der berühmten Anstalt Schulpforta vorgeschlagen wird, deren Schüler u.a. Klopstock, Fichte und Ranke gewesen waren. Die Auszeichnung vorgeschlagen zu werden war ihm keineswegs in den Schoß gefallen. Schon bei Eintritt in das Domgymnasium hatte er viel nachzuholen, vor allem Griechisch. Er stand um 5 Uhr auf, lernte bis in die Nacht hinein und klagte über "schlechte Augen". Im Oktober 1858 verläßt er Naumburg und geht 14-jährig, durch Büffeln und Schwimmunterricht vorbereitet, als Zögling nach Pforta.

3. Schulpforta
Der abgesehen von der "allzu verstandesmäßigen" Mathematik schon universal an den Wissenschaften und Künsten Interessierte erhält in der ehemaligen Zisterzienserabtei eine gründliche humanistische, philologische Bildung. Fleiß, Disziplin und ein wahrhaft spartanisches Leben galten als die wesentlichsten Tugenden der Anstalt. Die Methoden waren streng, aber keineswegs schikanös. Dennoch hatte Nietzsche anhaltend Heimweh und schloß zunächst auch keine neuen Freundschaften. Die geistige Bewegungsfreiheit suchte er jeweils in den Ferien zu Hause wiederzugewinnen: dort gründete er einen kleinen künstlerisch-literarischen Verein, die "Germania", der außer ihm selbst nur die alten Freunde Krug und Pinder angehörten. Die Statuten der Gesellschaft sahen vor, daß jeder der Mitglieder monatlich eine Arbeit zu liefern hatte, die man gegenseitig kritisieren wollte. Mit ihren wenigen Vereinsmitteln leisteten sich die Freunde ein Abonement der "Zeitschrift für Musik".
Schon in Nietzsches erstem Brief an Gustav Krug, dem Schreiben eines noch nicht 12 jährigen Kindes, liest man die Mitteilung, er habe sich in Leipzig die G-dur Sonate Op. 49 von Beethoven gekauft, und die Frage: "Wie stehts mit den Arrangiren einer Ouvertüre?" [Die Rechtschreibung des Knaben; die besondere Schwäche im Gebrauch des Dativs erscheint erneut in den Wahnsinnsbriefen]. Drei Jahre später beeinflußte das Abonement der "Germania" seinen musikalischen Geschmack: ihm, der bisher nur klassische Musik gelten ließ, wurde so die Kunst Richard Wagners nahegebracht. Schließlich wurde von den letzten Spargroschen der "Germania" ein Klavierauszug von "Tristan und Isolde" angeschafft.
Endlich schließt sich Nietzsche in Schulpforta auch einem neuen Freund, Paul Deussen, an, mit dem er gemeinsam Ostern 1861 konfirmiert wird. In den Schulfächern ist er nicht großartig, in der Mathematik versagt er, aber vorzüglich ist er in den eigentlichen humanistischen Fächern, im Lateinischen und Griechischen, im Deutschen und der Religion. Auch die Strenge Schulpfortas sagt ihm schließlich zu, und so wurde er zum Primus und Musterschüler, der nur zweimal in 6 Jahren gegen die Schulordnung verstieß, für die er, zum "Inspektor" aufgestiegen, selbst zu sorgen hatte. Später, in der 2. "Unzeitgemäßen Betrachtung","Über die Zukunft der Bildungsanstalten", konnte er von einer Bildung schwärmen, "die vor allem Gehorsam und Gewöhnung" ist.
Neben den antiken Autoren, deren Kenntnis die Schule auf das gründlichste vermittelte, stand ihm in diesen Jahren die romantische Dichtung nahe. Jean Paul war ihm vertraut, größte Liebe und Verehrung hegte er aber für den in seiner Zeit nahezu unbekannten Hölderlin. So schreibt der mittlerweile 17 jährige über Hölderlin:
"Endlich ist noch eine ganze Reihe von Gedichten bemerkenswert, in denen er den Deutschen bittere Wahrheiten sagt, die leider nur zu oft allzu begründet sind. Auch im'Hyperion' schleudert er scharfe und schneidende Worte gegen das deutsche 'Barbarentum'. Dennoch ist dieser Abscheu vor der Wirklichkeit mit der größten Vaterlandsliebe vereinbar, die Hölderling auch wirklich in hohem Grade besaß. Aber er haßte in dem Deutschen den bloßen Fachmenschen, den Philister.-"
Das Verständnis für eine ungewöhnliche Sprache, für den romantischen Idealismus, für die von glühender Liebe getragene Kritik an den Deutschen, ja selbst für die Spannungen und Probleme der drohenden geistigen Umnachtung führt Nietzsche zu einer engagierten Verteidigung Hölderlins, der noch über fünf Jahrzehnte von den Deutschen unentdeckt bleiben soll. Die Gedichtform des Dithyrambus findet sich in Hyperions Schicksalslied von Hölderlin und wird von Nietzsche später aufgegriffen in den "Dionysos-Dithyramben".
Mit 17 benötigt er auch die bis dahin geforderte Fürsorglichkeit der Familie nicht mehr in so hohem Maße, sondern schreibt den Satz nieder: "Vielleicht ist gerade ein Leben, das ich ganz allein führe, für mich das allerbeste." So wird aus dem "kleinen Pastor" ein "kleiner Gelehrter". Entsprechend sieht sein Ferienprogramm aus, als er 19 jährig an Freund Deussen berichtet:
"Früh, nicht allzufrüh, stehe ich auf und trinke den Kaffee. Nach demselben begebe ich mich in meine Stube, ein großer Tisch steht hier, ganz bedeckt mit den zum Teil aufgeschlagenen Büchern; ein gemütlicher Großvaterstuhl; ich selbst bekleidet mit einem schönen Schlafrock. Ich schreibe nun. Ungefähr um 1 esse ich mit Mutter und Schwester zu Tisch, trinke mein heißes Wasser, spiele ein geringes Klavier und trinke Kaffee. Dann schreibe ich wieder. Um sechs wird mir der Tee und mein Abendbrot auf meine Stube gebracht; ich trinke und esse und schreibe [...]"
In der umsorgten Einsamkeit fühlt sich Nietzsche am wohlsten.
Obwohl in Schulpforta Latein und Griechisch am Morgen und Abend betrieben wurden, man gelernt hatte, lateinisch zu disputieren, zu dichten und lateinische Aufsätze schrieb, sogar Neckerei und Streit, z. B. zwischen "Nitius" und "Deussenus", in lateinischen Hexametern ausgetragen wurde, und man für Platon, Sappho, Sophokles und Thukydides schwärmte, schrieb Nietzsche später, in Schulpforta habe ihn der Hauch einer gewissen Geringschätzung der eigentlichen, der strengen, nämlich der Naturwissenschaften angeweht, zugunsten der Historie, der formalen Bildung, der Klassizität, und er setzte hinzu: "Und wir ließen uns so leicht betrügen". Erst nach 30 Jahren des Zweifels und Mißtrauens schreibt er schließlich in der "Götzendämmerung": "Man lernt nicht von den Griechen."
Mit siebzehneinhalb Jahren, in den Osterferien 1862, schreibt der Schüler Nietzsche - als Einsendung für den Freundesbund "Germania" unter dem Stichwort "Fatum und Geschichte" Gedanken nieder, die schon das Programm seines Lebens enthalten, so z: B. der prophetische Satz: "Sobald es aber möglich wäre, durch einen starken Willen die ganze Weltvergangenheit umzustürzen, sofort träten wir in die Reihe unabhängiger Götter". Vor allem durch die hervorragende textkritische wissenschaftliche Methode in Schulpforta wurde Nietzsches Verhältnis zu Religion und Moral auch allmählich kritischer. Dies war ein Prozeß und kein plötzlicher Bruch. Er interessierte sich nun für Shakespeare, für Shelley und für Byron. Byron war sozusagen die Unmoral in Person. Während Shelleys "Entfesselter Prometheus" das Symbol des Menschentrotzes gegen die Götter war, so wurde Byrons "Manfred" für Nietzsche zu einem "geisterbeherrschenden Übermensch". Hier taucht das Wort "Übermensch" zum ersten Male auf und der Geisterbanner Manfred blieb dem Heranwachsenden näher und lieber als selbst der Faust. Schumanns Manfred-Musik begeisterte später den Studenten in Bonn, und in Basel stetzte er dem ihm zu milden Schumann seine eigene düstere "Manfred-Meditation" entgegen. Noch in "die fröhliche Wissenschaft" legt er sich den Manfred-Mantel um: "Wer etwas wie Faust und Manfred ist, was liegt dem an Fausten und Manfreden des Theaters!".
Im letzten Schuljahr zu Pforta verfaßte Nietzsche eine größere lateinische Arbeit über Theognis von Megara, den Versuch einer Gesamtdarstellung des Menschen und seines Werkes. Das als Schulaufsatz begonnene Thema fesselte ihn so sehr, daß er es auch in seiner Studentenzeit weiter verfolgte. So zeichnet sich Nietzsche am Ende seiner Schulzeit bereits durch eine hervorstechende Leistung auf dem Gebiet der klassischen Philologie aus.

4. Bonn
Nach einer gemeinsamen Rheinreise schreiben sich Nietzsche und Deussen im Oktober 1864 als Studenten der Theologie der Universität Bonn ein. Die Universität genoß damals einen internationalen Ruf auf dem Gebiet der klassischen Philologie. Friedrich Wilhelm Ritschl und Otto Jahn leiteten das philologische Seminar. Neben der Altphilologie belegte Nietzsche Vorlesungen über Kunst- und Kirchengeschichte, Theologie und Politik. In der Autobiographie Nietzsches wird deutlich, daß er in der Philologie einen Schutz vor der eigenen romantischen Veranlagung suchte:

"Ich verlangte nämlich nach einem Gegengewicht gegen die wechselvollen und unruhigen bisherigen Neigungen, nach einer Wissenschaft, die mit kühler Besonnenheit, mit logischer Kälte, mit gleichförmiger Arbeit gefördert werden könnte, ohne mit ihren Resultaten gleich ans Herz zu greifen. Das alles aber glaubte ich damals in der Philologie zu finden."
Ein weiterer Vorsatz in dieser Zeit war, gesellschaftliche Kontakte zu knüpfen. So trat Nietzsche in die Burschenschaft "Franconia" ein. Die studentischen Verbindungen hatten zu dieser Zeit bereits ihr politisches Profil verloren und hatten vornehmlich gesellschaftlichen Charakter. Obgleich ihm Feste, Tanz und Damenbekanntschaften zunächst sichtlich behagten, er sich auch im Fechten und in der Mensur versuchte, wurde ihm das Treiben bald zu oberflächlich und auch sein Musikgeschmack verband sich nicht mit den übrigen der "Franconia", so daß er nach einem Jahr mit einem höflichen Schreiben seinen Austritt vollzog.
Auch mit dem Studium ging es nicht recht voran. Die theologischen Vorlesungen förderten eher den wachsenden Zweifel am Christentum. Schon als Schüler hatte Nietzsche zum Entsetzen der Familie das "Leben Jesu" von Strauß gelesen. So beschäftigte er sich in der Folge mit der Quellenkritik des Neuen Testaments. Die altphilologischen Studien aber waren überschattet durch ein Zerwürfnis seiner Lehrer Ritschl und Jahn, und so wechselte Nietzsche nach 2 Semestern nach Leipzig, wohin auch Ritschl einen Ruf erhalten hatte.

5. Leipzig
Am 20. Oktober 1865, gerade 21 Jahre alt geworden, schrieb Nietzsche sich in die philosophische Fakultät der Universität Leipzig ein, genau 100 Jahre nach dem Studiosus Goethe. Von der Theologie wechselte er nun zur Altphilologie. Das Bonner Jahr sah er als verlorenes an. Er hatte so gut wie nichts geschrieben, so gut wie nichts gelernt. Noch in Bonn hatte er bereits neue Vorsätze gefaßt, so schreibt er in einem Brief an seinen Freund Carl von Gersdorf, den er schon in der Schulzeit kennen lernte:
"Ich will in Leipzig womöglich gleich in das philosophische Seminar kommen und muß tüchtig arbeiten. Musik und Theater können wir reichlich genießen."
Tatsächlich sollte sich Nietzsche bald unter der Führung seines Lehrers Ritschl als Philologe qualifizieren. Er gründete auf Anregung Ritschls einen philologischen Verein und konnte im kleinen Kreis dozieren. In diesem Verein kamen die Schülerarbeiten zu Theognis von Megara 1866 zum Vortrag und Ritschl ermutigte ihn, das Manuskript für die Veröffentlichung umzuarbeiten. Ein weiterer Vortrag Nietzsches beschäftigte sich mit den Verzeichnissen zu den aristotelischen Schriften und setzte ein besonders quellenkritisches Studium voraus. Auf Ritschls Vorschlag stiftete die Universität für dieses Thema einen Preis, den Nietzsches Arbeit erhielt und die daraufhin in mehrern Nummern des "Rheinischen Museums" abgedruckt wurde. Andere Veröffentlichungen folgten: die Studie über Theognis erschien im "Rheinischen Museum" ebenso wie ein Manuskript über Simonides' "Ode an Danae".
So wurde Nietzsches Name in der Fachwelt schnell bekannt, und er stand durchaus schon im Rufe eines qualifizierten Wissenschaftlers, als ihm - wiederum auf Betreiben Ritschls - 1869 noch vor Abschluß seiner Studien die Proffessur in Basel angetragen wurde.

5.1 Schopenhauer-Begegnung
Nach Meinung der Biographen haben Nietzsches Studien auch zwangsläufig zur Bekanntschaft mit Diogenes Laertios geführt, die philosophischen Neigungen in ihm erweckten. Die entscheidene Begegnung mit der Philosophie wurde jedoch durch die Lektüre der Werke Arthur Schopenhauers im ersten Leipziger Semester vermittelt. Nicht der Zwang ernster Studien führte ihn dorthin, sondern seine romantische Veranlagung, die er durch die Philologie zu bekämpfen dachte, brach umso mehr hervor:
"Eines Tages fand ich nämlich im Antiquariat des alten Rohn dieses Buch [Schopenhauers Hauptwerk: Die Welt als Wille und Vorstellung], nahm es als mir völlig fremd in die Hände und blätterte. Ich weiß nicht, welcher Dämon mir zuflüsterte: 'Nimm Dir dieses Buch mit nach Hause'. Es geschah jedenfalls wider meine sonstige Gewohnheit, Büchereinkäufe nicht zu überschleunigen. Zu Hause warf ich mich mit dem erworbenen Schatze in die Sofaecke und begann, jenen energischen düsteren Genius auf mich wirken zu lassen. Hier war jede Zeile, die Entsagung, Verneinung, Resignation schrei, hier sah ich einen Spiegel, in dem ich Welt, Leben und eigen Gemüt in entsetzlicherer Großartigkeit erblickte. Hier sah mich das volle interesselose Sonnenauge der Kunst an, hier sah ich Krankheit und Heilung, Verbannung und Zufluchtsort, Hölle und Himmel. Das Bedürfnis nach Selbsterkenntnis, ja Selbstzernagung packte mich gewaltsam [...]"

Schopenhauer-Exkurs:
Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, 1819, endgültige Fassung, 1859, 2 Bde. (Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde, 1813)
Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde:
Hierin gibt Schopenhauer dem Leser Rechenschaft ab über das wissenschaftliche Gesetz seines Unternehmens:
"Was aber Anderes, als der Satz vom zureichenden Grunde, verbindet die Glieder eines Systems? Das eben zeichnet jede Wissenschaft vor dem bloßen Aggregat aus, daß ihre Erkenntnisse eine aus der anderen, als ihrem Grunde, folgen."
Und weiter heißt es:
"Da es nun die, von uns stets a priori gemachte Voraussetzung, daß Alles einen Grund habe, ist, die uns berechtigt, überall Warum zu fragen; so darf man das Warum die Mutter aller Wissenschaften nennen."
Der Satz vom Grunde wird also zum Prinzip aller Erklärung:
"[...] eine Sache erklären heißt ihren gegebenen Bestand, oder Zusammenhang, zurückzuführen auf irgend eine Gestaltung des Satzes vom Grunde, der gemäß er sein muß, wie er ist. Diesem gemäß ist der Satz vom Grunde selbst, d. h. der Zusammenhang, den er, in irgend einer Gestalt ausdrückt, nicht weiter erklärbar; weil es kein Prinzip giebt, das Princip aller Erklärung zu erklären, - oder wie das Auge alles sieht, nur sich selbst nicht".
Mit der Welt als Vorstellung leugnet Schopenhauer keineswegs die empirische Realität der Welt. Diese Vorstellung ist dem Satz vom Grunde unterworfen, d. h. angelehnt an Kants Idealismus, daß wir Dinge nicht so erkennen, wie sie an sich sind, sondern wie sie uns infolge der Beschaffenheit unserer Erkenntnisorgane erscheinen.
Schopenhauer bleibt aber nicht bei dem Kantschen Modell stehen, denn, so sagt er:
"Wären wir bloß vorstellende Wesen, so wäre der Weg zum Ding an sich uns gänzlich abgeschlossen. Nur die andere Seite unseres eigenen Wesens kann uns Aufschluß geben über die andere Seite des Wesens an sich der Dinge".
Diese andere Seite unseres Wesens ist der Wille, der zum Ding an sich herüberführt:
"Der Wille als Ding an sich ist von seiner Erscheinung gänzlich verschieden und völlig frei von allen Formen derselben, in welche er eben erst eingeht, indem er erscheint, die daher nur seine Objektivität betreffen, ihm selbst fremd sind. Schon die allgemeinste Form aller Vorstellung, die des Objekts für ein Subjekt, trifft ihn nicht; noch weniger die dieser untergeordneten, welche insgesamt ihren gemeinschaftlichen Ausdruck im Satze vom zureichenden Grunde haben, wohin bekanntlich auch Raum und Zeit gehören, und folglich auch die durch diese allein bestehende und möglich gewordene Vielheit. In dieser letzten Hinsicht werde ich, mit einem aus der alten eigentlichen Scholastik entlehnten Ausdruck Zeit und Raum das principium individuationis nennen, welches ich ein für alle Mal zu merken bitte. Denn Raum und Zeit allein sind es, mittels welcher das dem Wesen und dem Begriff nach Gleiche und Eine doch als verschieden, als Vielheit neben und nach einander erscheint... Der Wille als Ding an sich liegt, dem Gesagten zufolge, außerhalb des Gebietes des Satzes vom Grund in allen seinen Gestaltungen, und ist folglich schlechthin grundlos, obwohl jede seiner Erscheinungen durchaus dem Satz vom Grunde unterworfen sind: er ist ferner frei von aller Vielheit, obwohl seine Erscheinungen in Zeit und Raum unzählig sind: er selbst ist Einer..."
Erst im Besitze dieser Einsicht, daß der Wille eine Einheit in sich und ein und derselbe in allen Erscheinungen sei, läßt sich, so verkündet Schopenhauer, der Sinn der Kantischen Lehre völlig verstehen, daß Zeit, Raum und Kausalität nicht dem Dinge an sich zukomme, sondern nur Formen der Erkenntnis sind. Der Wille an und für sich ist also erkenntnislos; sein Wesen ist blindes Streben ohne Ursache und Ziel.
Die stufenweisen Objektivationen dieses Willens, z. B. vom Stein bis zum Menschen, sind nach Schopenhauer nichts anderes als die platonischen Ideen, nur daß sie auch über den Tod des Individuums hinaus vollkommen bestehen bleiben. So wird es möglich, daß ein Subjekt, sofern es eine Idee erkennt, nicht mehr Individuum ist, d. h. daß es also auch eine Vorstellung unabhängig vom Satze des Grundes gibt.
Der Weg zur Erreichung solch einer überindividuellen höheren Erkenntnis führt über die Kontemplation und Meditation, schließlich auch über die Kunst, die Poesie, die Musik. Die Musik hat einen besonderen Stellenwert, denn sie ist unvermittelter Ausdruck der Wirklichkeit und des Wesens der Dinge.
Da das Streben das alleinige Wesen des Willens ist, dem kein erreichtes Ziel ein Ende macht, und daher dauerndes Glück so niemals eintreten kann, bleiben nur individuelle Askese, völlige Entsagung und schließlich Auslöschung des eigenen Willens und das Nichtsein: "Nirwana" als Erlösung übrig.

Von dem Schopenauerschen Pessimismus fühlte sich Nietzsche angezogen, besonders auch von den ästhetischen und unverbindlich religiösen Aspekten der Lehre. In seinem Leipziger Verein bekehrte er nun jeden zum Schopenhauer-Jünger, aber auch seine Schwester, von Gersdorf und Deussen. Erstmals gewann er auch hier einen ihm ebenbürtigen Freund, Erwin Rohde, der ihn freundschaftlich begleitete.
In die Leipziger Jahre fällt auch der Militärdienst, zu dem sich Nietzsche im Herbst 1867 als Einjähriger melden mußte. Er wurde bei der in Naumburg stationierten Feldartellerie angenommen und konnte daher zu Hause wohnen. Ein Reitunfall, eine Verletzung der Brust, setzte der Ausbildung jedoch ein vorzeitiges Ende. Die in Krankenurlaub umgewandelte Dienstzeit nutzte er für intensive philosophische Studien, und schon an Erwin Rohde schrieb er noch während der Ausbildung: "Mitunter raune ich unter dem Bauch eines Pferdes versteckt: 'Schopenhauer hilf' ".
Im Herbst 1868 kehrte er wohlgerüstet nach Leipzig in sein letztes Semester zurück.
Durch die Frau seines Lehrers, Sophia Ritschl, die begeisterte Wagnerianerin war, wurde Nietzsche im November zum ersten Male mit dem Meister selbst zusammengebracht, bei der mit den Ritschls befreundeten Professorenfamilie Brockhaus (Frau Brockhaus war Wagners Schwester). Erst Schopenhauer, und dann Wagner - Nietzsche genoß sein Glück, und schneller, als er es sich vorgestellt hatte, erfüllten sich auch die Träume einer akademischen Karriere, die ihm genug Zeit für seine eigenen Studien lassen würde. Während er im Winter 1868/69 mit Rohde eine Reise nach Paris plante, wurde er auf Betreiben Ritschls für eine außerordentliche Professur der klassischen Philologie an der Universität Basel vorgeschlagen. Der Antrag kommt in einem Augenblick, da Nietzsche selbst Zweifel an der philologischen Arbeit hegt. In einem Trostbrief über die ausfallende Paris-Reise an Rohde schreibt er:
"Wir sind doch recht die Narren des Schicksals: noch vorige Woche wollte ich Dir einmal schreiben und vorschlagen, gemeinsam Chemie zu studieren und die Philologie dorthin zu werfen, wohin sie gehört, zum Urväter-Hausrat. Jetzt lockt der Teufel 'Schicksal'mit einer philologischen Professur."
Nietzsche widerstand dieser Lockung nicht. im Februar 1869 erfolgte die offizielle Berufung nach Basel, noch bevor er die Doktorpromotion hinter sich hatte. Die Universität Leipzig promovierte Nietzsche daraufhin auf Grund seiner bereits erschienenen Schriften ohne weitere Prüfung und verzichtete auch auf die üblichen Formalitäten bei der Habilitation. Mit vierundzwanzigeinhalb Jahren endete so Nietzsches Ausbildung und Erziehung ohne jeden weiteren Übergang in einer außerordentlichen Professur, die schon ein Jahr später in ein Ordinariat verwandelt werden sollte. Am 28. Mai 1869 hielt der junge Professor bereits eine Antrittsvorlesung in Basel über "Homer und die klassische Philologie".
Zwischen dem Eintritt in Schulpforta und dem letzten Semester in Leipzig liegen zehn Jahre der Erziehung und Ausbildung. Für zehn Jahre wird er nun Professor in Basel sein, und nach Aufgabe des Lehramtes 1879 wird ihm noch ein knappes Jahrzehnt für sein Schaffen in heller Bewußtheit bleiben.

6. Basel
In Basel wird Nietzsche freundlich aufgenommen. Es stellen sich neue Freunde ein: Franz Overbeck, ein junger Professor für Kirchengeschichte, kam Anfang 1870 nach Basel, und Nietzsche nahm mit ihm eine gemeinsame Wohnung. Eine Kollegenfreundschaft begann er mit dem 26 Jahre älteren Basler Jacob Burckhardt, der Professor für Kunstgeschichte war. Trotz dieser Annehmlichkeiten fehlte ihm der Freund Rohde, und an der Philologie regten sich wieder Zweifel wie einst an der Religion. Im Lehramt fühlte er sich unsicher und mißverstanden. Andererseits wuchs in ihm die Ahnung, für ein außergewöhnliches Schicksal auserwählt und berufen zu sein. So schreibt er an Rohde:
"[...] Ich habe hier einen einen Vortrag über 'Sokrates und die Tragödie' gehalten, der Schrecken und Mißverständnisse erregt hat. Dagegen hat sich durch ihn das Band mit
meinen Tribschener Freunden noch enger geknüpft. Ich werde noch zur Wandelnden Hoffnung: auch Richard Wagner hat mir in der rührendsten Weise zu erkennen gegeben, welche Bestimmung er mir vorgezeichnet sieht... Wissenschaft, Kunst und Philosophie wachsen jetzt so sehr in mir zusammen, daß ich jedenfalls einmal Zentauren gebären werde."

6.1 Wagner-Freundschaft
Die für Nietzsche entscheidende Freundschaft in dieser Zeit war die mit dem 31 Jahre älteren Richard Wagner, der damal in Tribschen bei Luzern lebte.
Der Biograph Ross schreibt über diese Freundschaft:
"Nietzsches Überschwenken zu Wagner ist das wichtigste Faktum seiner ganzen Biographie. Es überlagert an Intensität und Tragweite auch die Berufung nach Basel [...] es schenkt ihm eine erste große Mission und zerstört endgültig seine Karriere. Es gibt ihn an die Musik zurück und läßt ihn dort am bittersten scheitern. Es ruft die schwersten Leiden und zum Schluß das hervor, was Nietzsche selbst als seine große Genesung, seine Wiedergeburt verstanden hat. [...] Das erste, was festzuhalten ist: Nietzsche war kein Wagnerianer. Es gibt kein Erweckungs-Erlebnis, das sich mit der Bekehrung zu Schopenhauer vergleichen ließe. Auch Gustav Krug, der als Primaner den 'Tristan' entdeckt hatte, konnte dem Freund nur gemäßigtes Interesse dafür abringen. Nietzsches musikalischer Geschmack war nach damaligen Begriffen gemäßigt fortschrittlich, bei Schumann eingependelt.[...] Wer konservativen Geschmacks war, schwärmte damals für Mozart und Rossini, wie Schopenhauer, oder erwärmte sich für den Erben der Klassiker, Mendelssohn. Beethoven nahm zwischen den Parteien eine Mittelstellung ein: er war Klassiker und Titan zugleich, und die kühnsten der Neuerer, Wagner an der Spitze, beriefen sich auf ihn."
Nietzsche war schon im Mai 1869 Gast in dem unkonventionellen Haushalt, den Cosima führte. Cosima von Bülow, Frau des mit Wagner befreundeten Dirigenten und Tochter Liszts, war damals noch nicht mit Wagner verheiratet. Wagner war 1866, nach dem Tode seiner ersten Frau, auf der bei ihm üblichen Flucht vor finanziellen, politischen und gesellschaftlichen Schwierigkeiten von München in die Schweiz übergesiedelt. Cosima folgte ihm mit ihren Kindern, mit Daniela und Blandine von Bülow und mit Isolde, die sie von Wagner empfangen hatte. 1867 wurde dem Paar eine weitere Tochter, Eva, geschenkt, zwei Jahre darauf der Sohn Siegfried geboren, für dessen Erziehung zeitweilig der Plan bestehen sollte, sie in Nietzsches Hände zu legen.
Die Vertrautheit zwischen den Wagners und Nietzsche wuchs schnell, und bald gehörte er mehr oder weniger zu dem großzügigen Haushalt, war nicht nur gern gesehener Gast, sondern erhielt für dauernd zwei Zimmer zugewiesen, konnte kommen und gehen, wann immer er wollte, und hielt sich so oft wie möglich in Tribschen auf. Nietzsche schreibt über Wagner:
"Dazu habe ich einen Menschen gefunden, der wie kein anderer das Bild dessen, was Schopenhauer 'das Genie' nennt, mir offenbart und der ganz durchdrungen ist von jener wundersamen innigen Philosophie. Dies ist kein anderer als Richard Wagner, über den Du kein Urteil glauben darfst, das sich in der Presse, in den Schriften der Musikgelehrten usw. findet. Niemand kennt ihn und kann ihn beurteilen, weil alle Welt auf einem anderen Fundament steht und in seiner Atmosphäre nicht heimisch ist. In ihm herrscht so unbedingte Idealität, eine solche tiefe und rührende Menschlichkeit, ein solcher erhabener Lebensernst, daß ich mich in seiner Nähe wie in der Nähe des Göttlichen fühle. Wie manche Tage habe ich schon in dem reizenden Landgute am Vierwaldstättersee verlebt, und immer neu und unerschöpflich ist diese wunderbare Natur."
In seiner Bewunderung blieben ihm zunächst die dunklen Seiten Wagners verborgen, und noch 1888, kurz vor seinem Zusammenbruch, setzt er ihm im "Ecce Homo" ein Denkmal:
"[...] ich möchte um keinen Preis die Tage von Tribschen aus meinem Leben weggeben, Tage des Vertrauens, der Heiterkeit, der sublimen Zufälle - der tiefen Augenblicke... Ich weiß nicht, was andre mit Wagner erlebt haben: über unseren Himmel ist nie eine Wolke hinweggegangen."
Die glückliche Tribschener Zeit dauerte fast drei Jahre, bis zum April 1872, als Wagner nach Bayreuth zog. Nietzsche besuchte ihn dort am 22. Mai zur Grundsteinlegung des Festspielhauses. Unterbrochen wurde die gemeinsame Zeit nur vom August bis Oktober 1870, als Nietzsche als freiwilliger Krankenpfleger am Deutsch-Französischen Krieg teilnahm. Durch seine Berufung nach Basel war war er Schweizer Bürger geworden und die Behörden erlaubten ihm nicht, als aktiver Kriegsteilnehmer in der preussischen Armee zu dienen. Aber auch dieser Dienst wurde vorzeitig beendet, da sich Nietzsche als Begleiter eines Verwundetentransports Ruhr und Diphterie zuzog. Er genas nur langsam und fing an, den Krieg und die Hegemonie Preussens mit Skepsis zu betrachten.
Auch die Vorlesungen nahm er wieder auf und wegen seiner Ablehnung eines Rufs nach Greifswald 1872 erhöhten die Basler sein Gehalt von 3000 auf 4000 Franken.
Die Annehmlichkeiten der gesicherten bürgerlichen Existenz ermöglichten ihm die Entstehung seiner Werke, und nicht das Milieu machte ihn schließlich zu einem Außenseiter, sondern diesen Weg wählte er schließlich selbst.

6.2 Geburt der Tragödie
Aus dem Studium der Griechen, der Vorliebe für Musik und der leidenschaftlichen Wertschätzung Schopenhauers entsteht Nietzsches Weltanschauung, und mit der "Geburt der Tragödie" beginnt sein Weg als Philosoph, und nicht länger als Philologe. "Die Geburt der Tragödie, Oder: Griechentum und Pessimismus" erschien 1872, in der die 1871 veröffentlichte Arbeit "Sokrates und die griechische Tragödie" aufgegangen war. Das Vorwort "Versuch einer Selbstkritik" fügte Nietzsche erst in der Ausgabe von 1886 hinzu.
Das philologische Vorhaben dieser Schrift war, die Entwicklung der griechischen Tragödie aus dem rituellen Chortanz des Dionysoskultes darzustellen, und zwar zum Beweis der These, daß in der Tragödie die Verschmelzung zweier Lebensformen verkörpert sei, mit dem gleichzeitigen Versuch, das klassische Altertum neu zu deuten. Ferner sollte das Werk Wagners gerechtfertigt und propagiert werden, und schließlich tritt Nietzsche zum ersten Male gegen das an, was er den 'sokratischen Geist' nennt.
Zur Unterscheidung entwickelt er die Termini 'apollinisch' und 'dionysisch', die sich wie Fundamentalkategorien durch seine ansonsten eher unsystematische Philosophie ziehen.
Unter der Klarheit des schönen Scheins, des Apollinischen bricht hier ein irrationales Moment, das Dionysische, hervor:
"Wenn wir zu diesem Grausen die wonnevolle Verzückung hinzunehmen,die bei demselben Zerbrechen des principii individuationis aus dem innersten Grunde des Menschen, ja der Natur emporsteigt, so tun wir einen Blick in das Wesen des Dionysischen, das uns am nächsten noch durch die Analogie des Rausches gebracht wird. [...] Es gibt Menschen, die, aus Mangel an Erfahrung oder aus Stumpfsinn, sich von solchen Erscheinungen wie von 'Volkskrankheiten', spöttisch oder bedauernd im Gefühl der eigenen Gesundheit abwenden: die Armen ahnen freilich nicht, wie leichtfarbig und gespenstig eben diese ihre 'Gesundheit'sich ausnimmt, wenn an ihnen das glühende Leben dionysischer Schwärmer vorüberbraust".
Die Darstellung des vernünfigen und des intuitiven Menschen durch das Gegensatzpaar apollinisch-dionysisch kündigt Nietzsches spätere Machtphilosophie an. Beide Menschentypen wollen über das Leben herrschen, siegt der intuitive, der künstlerische Mensch, so entsteht Kultur. Man muß die Illusion wollen, sagt Nietzsche. Die Kunst erscheint als Trösterin. Die neue Philosophie wird nicht mehr unter dem Gesichtspunkt des Erkenntnisstrebens, sondern der Lebensdienstbarkeit entworfen. Das hat sie mit der Kunst gemein, sie ist geradezu Kunst, 'eine Form der Dichtkunst: "Der Philosoph erkennt, indem er dichtet, und dichtet, indem er erkennt."
'Durch die Zertrümmerung der alten Begriffsschranken vollziehe sich der schöpferische Akt einer neuen Philosophie', betont er. Der österreichische Literat Robert Musil wird sich diese neue Philosophie später zum Programm machen, wie z. B. in seinem Schauspiel: "Die Schwärmer" oder im Roman "Der Mann ohne Eigenschaften".
Die Freunde hatten "Die Geburt der Tragödie" gutgeheißen. Die Welt ohne moralische Rechtfertigung, sondern nur ästhetische, als Ausdruck der Macht des Dionysos - das entsprach ganz der Kunsttheorie Richard Wagners, der an Nietzsche schrieb: "Schöneres als Ihr Buch habe ich noch nicht gelesen", und kurz darauf schrieb auch Cosima: "Sie haben in diesem Buche Geister gebannt, von denen ich glaubte, daß sie einzig unserem Meister dienstpflichtig seien".
Nietzsches Kollegen jedoch teilten solchen Beifall nicht, und erst nach monatelangem eisigen Schweigen erschien eine lange Streitschrift von Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff mit dem Titel: "Zukunftsphilologie! Eine Erwiderung auf Friedrich Nietzsches Geburt der Tragödie". Durch diese Schrift, in der nicht nur Nietzsches philosophische Konzeption, sondern auch seine philologischen Kenntnisse aufs schärfste angegriffen wurden, büßte er mit einem Schlage seine Reputation als Philologe ein, und die Studenten seines Faches blieben im kommenden Wintersemester 1872/73 der Universität Basel fern. Er selbst bemerkte:
"Mit äußerster Not habe ich Kolleg über Rhetorik der Griechen und Römer zustande gebracht, mit zwei Zuhörern, d. h. einem Germanisten und einem Juristen."

6.3 Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten
Auf Einladung der 'Academischen Gesellschaft' hielt Nietzsche zwischen dem 16. Januar und dem 23. März 1872 fünf Vorträge "Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten". Die "Geburt der Tragödie" war zwar schon erschienen, der Sturm der Entrüstung jedoch ließ zu dieser Zeit noch auf sich warten.
Zum ersten Male tritt Nietzsche mit den Vorträgen öffentlich als Kritiker der deutschen Kultur auf und geht inhaltlich einen Schritt über die "Geburt der Tragödie" hinaus. Hatte er sich bislang gegen Sokrates und den Geist der Aufklärung allgemein gewandt, zieht er hier konkret gegen die strenge Wissenschaft und die damit verbundene stärkere Spezialisierung der Forschung zu Felde, sowie gegen den Journalismus als Kommunikationsform der heraufkommenden Industriegesellschaft seiner Zeit. Die Argumentation verschob sich von der ästhetischen auf die mehr historisch aktuelle Ebene, und die Vorträge wurden ein großer Erfolg.

6.4 Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne
Wenn er auch aufgrund der "Geburt der Tragödie" als Philologe sozusagen disqualifiziert wurde, beschäftigte sich Nietzsche jedoch umso eingehender mit den Vorsokratikern, so vorallem mit Thales, Anaximandros, Heraklit, Parmenides, Anaxagoras, Empedokles und Demokrit. Es ging ihm dabei nicht um die philologische genaue und historisch wahre Rekonstruktion dieser Denker, sondern mehr um Impulse für seine eigenen Anschauungen. Die Philosophie ist für ihn so auch eine subjektive Sache, und sieht in der Objektivität und Unparteilichkeit des Wissenschaftlers nur dummes Philistertum. In diesem Zusammenhang erscheint 1873 seine Abhandlung "Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne":
"Was ist also Wahrheit? Ein bewegliches Heer von Metaphern, Metonymien, Anthropomorphismen, kurz eine Summe von menschlichen Relationen, die poetisch und rhetorisch gesteigert, übertragen, geschmückt wurden, und die nach langem Gebrauch einem Volke fest, kanonisch und verbindlich dünken: die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind, Metaphern, die ihr Bild verloren haben und nun als Metall, nicht mehr als Münzen in Betracht kommen."
Nietzsche suspendierte so den Menschen und sich selbst von der Möglichkeit einer Wahrheit 'an sich' und schickte sich an, in einer Zeit weithin platten Fortschrittglaubens eine unzeitgemäßer Philosoph zu werden.

6.5 Die Unzeitgemäßen Betrachtungen
Seit dem Jahr 1872 führt Nietzsche das Leben eines unruhigen Wanderers. Anfang April erwägt er zum ersten Mal, die Basler Professur aufzugeben, um sich als Vortragsreisender ganz der Bayreuther Idee zu verschreiben. Zu Ostern ist er zusammen mit dem alten Freund Pinder am Genfer See, wo er die Manfred-Meditation komponiert. Ende April findet der letzte Besuch in Tribschen statt. Am 22. Mai reist er dann nach Bayreuth zur Grundsteinlegung des Festspielhauses, an der auch von Gersdorf und Rohde teilnehmen. Hier in Bayreuth lernt er auch das Fräulein Malwida von Meysenburg kennen, die ihm eine mütterliche Freundin sein wird. Vor dem Sommer in Basel, den er gemeinsam mit der Schwester verbringt, fährt er mit Carl von Gersdorf und Malwida von Meysenburg nach München, um den "Tristan" unter Bülow zu hören. Anschließend schickt er Bülow nicht nur Komplimente, sondern auch seine Manfred-Komposition zu, die Bülow außerordentlich kritisch beurteilt, so etwas Amusikalisches habe er noch nicht gehört. Bis zum Ende des Jahres reist Nietzsche und trifft sich mit mit Freunden und Kollegen. Das Jahr 1872 sollte auch das letzte Jahr sein, in dem er einigermaßen gesund ist, wie der Philosoph Karl Jaspers berichtet.
Zwischen 1873 und 1876 entstanden die vier Schriften "Die Unzeitgemäßen Betrachtungen". Sie tragen die Zeichen des Wandels und der Neuorientierung in sich und in dieser Zeit wandelt sich auch das Verhältnis zu Richard Wagner. An ihrem Ende steht die Entfremdung, die schließlich zum Bruch der Freundschaft führen sollte.
Die erste "Unzeitgemäße" trägt den Titel: "David Strauß, der Bekenner und der Schriftsteller". Was den jungen Nietzsche einst bei der Lektüre "Das Leben Jesu" von Strauß begeisterte, war die destruktive Kritik, die Strauß am Christentum übte, was ihn jetzt gegen Strauß provoziert, ist die Art von desssen Ersatzreligion: In seinem Spätwerk "Das Leben Jesu für das deutsche Volk bearbeitet" bekennt sich Strauß zu einem optimistischen Lebensgefühl auf der Grundlage der Wissenschaft seiner Zeit. Nietzsche dagegen vertrat eine dionysische, antimoralische und vernunftfeindliche Lebensphilosophie, die sich gleichzeitig gegen die Aufklärung und die Tradition des europäischen Humanismus richtete.
Die zweite "Unzeitgemäße Betrachtung" folgte rasch und erschien unter dem Titel "Vom Nutzen und Nachteil der Historie" Anfang 1874. Nach einer Untersuchung der verschiedenen Arten der Historie kommt Nietzsche zu dem Schluß: " [...] die Gegenmittel gegen das Historische heißen - das Unhistorische und das Überhistorische." Unhistorisch sei die Kraft des Vergessen könnens, überhistorisch aber der Blick auf das Ewige und Gleichbedeutende, auf die Kunst und die Religion. Aus dem Protest gegen die historische Erziehung des modernen Menschen, gegen den Zwang von Judend auf alles historisierend zu zerlegen und um ein Beispiel für eine Anwendungsmöglichkeit dieses Inhaltes zu geben, entstand im Frühling und Sommer 1874 der Traktat über "Schopenhauer als Erzieher".
Die vierte "Unzeitgemäße Betrachtung" mit dem Titel "Richard Wagner in Bayreuth" drückt am stärksten Nietzsches Wandel aus und zeugt von der Verlegenheit, Wagner wie früher preisen zu wollen, obwohl er selbst inzwischen ein kritisch distanziertes Verhältnis zur Wagnerischen Kunst gefunden hatte. Die persönlichen Umstände spielten dabei eine nicht geringe Rolle. Der enge familiäre Kontakt zu den Wagners ließ sich wegen der räumlichen Entfernung zwischen Basel und Bayreuth nicht mehr fortsetzen. Zudem hatte Nietzsche gehofft, seine Schriften mit Wagner zu diskutieren, stattdessen beschäftigten Wagner finanzielle und organisatorische Probleme. Zu dem Gefühl der Vernachlässigung durch Wagner trat die Rivalität und die größer werdende kritische Distanz zu seinem Werk, so schreibt er in der vierten "Unzeitgemäßen Betrachtung":
"Vor allem aber sollte niemand, der über Wagner, den Dichter und Sprachbildner nachdenkt, vergessen, daß keines der Wagnerischen Dramen bestimmt ist, gelesen zu werden, und also nicht mit den Forderungen behelligt werden darf, welche an das Wortdrama gestellt ist."
Wagner hingegen reagierte seiner Domäne bewußt an anderer Stelle auf Nietzsches kompositorische Versuche:
"Ich meinte, Sie müßten heiraten oder eine Oper komponieren; eines würde Ihnen so gut und schlimm wie das andere helfen. Das Heiraten halte ich aber für besser.-"
Zu dem zunehmenden Verfall der Freundschaft hatte Nietzsche selbst viel beigetragen, denn Wut verrauchte bei den Wagners schnell und sie bemühten sich weiterhin um ihn, während er sich lange gekränkt zeigte und auch selbst kränkte, indem er z. B. Einladungen nicht folgte oder Wagner mit der Musik von Brahms provozierte. Dennoch gab es immer wieder Momente der Begeisterung Nietzsches für Wagner. Die letzte Begegnung zwischen beiden fiel auf den Herbst 1876 in Sorrent, wo Nietzsche den Winter bei Malwida von Meysenburg verbrachte, nachdem er schon im Sommer die ersten Festspiele in Bayreuth vorzeitig verlassen hatte. In "Nietzsche Contra Wagner" schreibt er über seine vorzeitige Abreise:
"Es war in der Tat damals die höchste Zeit, Abschied zu nehmen: alsbald schon bekam ich den Beweis dafür. Richard Wagner, scheinbar der Siegreichste, in Wahrheit ein morsch gewordener verzweifelnder décadent, sank plötzlich, hilflos und zerbrochen, vor dem christlichen Kreuze nieder..."
Im Januar 1878 schickte Wagner wohl noch ganz nichts ahnend, ein Exemplar des "Parsifal" an Nietzsche. Dieser äußerte sich Wagner gegenüber nicht, sparte aber nicht mit Kritik im Freundeskreise. Im Mai schickte er das gerade fertig geworden Buch "Menschliches, Allzumenschliches" an Richard und Cosima Wagner. Die kaum versteckten Angriffe hierin gegen Wagner verletzten die Bayreuther wohl zu recht und sie hüllten sich von nun an, bis auf eine spöttische Kritik in den "Bayreuther Blättern" in Schweigen. Der Bruch war endgültig.
In diesen Jahren hatte Nietzsche, trotz zunehmender ständiger Krankeit und der Angst vor der "Mitte des Lebens", dem 35. Lebensjahr, neue Freunde gefunden. Zunächst war der junge Musiker Heinrich von Köselitz war 1875 nach Basel gekommen, um Nietzsche kennen zu lernen. Er sollte Nietzsches Freund und Helfer werden und bekam von Nietzsche den Künstlernamen 'Peter Gast'. Ein Jahr später kam der Psychologe Paul Reé zu dem Kreis der Freunde hinzu. Seit August 1875 kümmerte sich die Schwester Elisabeth um den Bruder und bewohnte mit ihm gemeinsam eine Basler Wohnung. Dennoch wurde Nietzsches Existenzform unstet, er reiste umher, ständig auf der Suche nach der ihm physisch und psychisch zuträglichen Umgebung. Um seinem unsteten Leben etwas mehr Ruhe zu geben, trug er sich mit Heiratsgedanken. So machte er während seines Aufenthaltes am Genfer See 1876 der jungen Holländerin Mathilde Trampedach nach wenigen Tagen Bekanntschaft einen Antrag, am Vorabend seiner Abreise, und erbat briefliche Antwort. Nietzsches Heiratsabsichten waren eher forciert und deuteten eher auf eine Art Zweckheirat, so daß sich seine Pläne im Sande verliefen.
Ende 1878 kehrte die Schwester nach Naumburg zurück und Anfang 1879 verschlechterte sich Nietzsches gesundheitlicher Zustand so, daß er am 2. Mai sein Entlassungsgesuch einreichte und 6 Wochen später die Universität verließ. Man hatte seine Leistungen trotz aller Schwierigkeiten hoch geschätzt und gewährte ihm eine Pension von 3000 Franken im Jahr.

6.6 Menschliches, Allzumenschliches
In die Zeit zwischen dem Wandel und dem Bruch der Freundschaft mit Wagner und der Aufgabe seiner Lehrtätigkeit liegt die Entstehung der beiden Teile von "Menschliches, Allzumenschliches". Neu an diesem Werk ist der aphoristische Stil, für den auch sein neuer Freund Paul Reé und die französischen Moralisten und Epigrammatiker Pate standen: Montaigne, La Rochefoucault, La Bruyére, Chamfort und Stendhal. Neu ist auch, daß die Kunst ihre führende Rolle ausgespielt hat. Nietzsche wird zum Antiaufklärer mit dem Zug einer skeptischen Rationalität. Auf den Zusammenbruch des dionysischen Irrationalismus, auf die Leugnung metaphysischer Transzendenz folgte die Berufung auf die Freiheit der Vernunft. Auf die Abendröte der Kunst folgt die Morgenröte der Philosophie, deren Aufgabe es ist, alle bisherigen Werte umzudrehen.

6.7 Morgenröte
Die "Morgenröte, Gedanken über menschliche Vorurteile" fügen sich bruchlos an die Aphorismen von "Menschliches, Allzumenschliches" an. Die neue stilistische Freiheit wird voll ausgekostet, das Thema wird leichter, heiterer abgehandelt, ohne daß wirklich neue Einsichten hinzutreten.

6.8 Die fröhliche Wissenschaft
Auch "Die fröhliche Wissenschaft" gehört als drittes Aphorismenbuch in diesen Zusammenhang. Es sind Werke, die auf dem gleichen Material der vielen Aufzeichnungen jener Jahre beruhen.

7. Sils-Maria
Nach der Fertigstellung der "Morgenröte" 1881 hatte Nietzsche in Sils-Maria im Oberengadin einen Ort gefunden, an dem er leben konnte. Von nun an lebte er die meiste Zeit des Sommers hier, des Winters reiste er nach Italien.
Zu seinem größten Entzücken hört er im November zum erstenmal Bizets 'Carmen', deren Aufführung er sich in seinem Leben noch bis zu 20 Mal unterziehen wird, und dem vierten Buch der "Fröhlichen Wissenschaft", an dessen Ende er die Zarathustra-Gestalt einführt, gibt er zu Neujahr 1882 einen überraschen positiven Auftakt:
"Ich will immer mehr lernen, das Notwendige an den Dingen als das Schöne sehen - so werde ich einer von denen sein, welche die Dinge schön machen. Amor fati: das sei von nun an meine Liebe! Ich will keinen Krieg gegen das Häßliche führen. Ich will nicht anklagen, ich will nicht einmal die Ankläger anklagen. Wegsehen sei meine einzige Verneinung! Und, alles in allem und großen: ich will irgendwann einmal nur noch ein Jasager sein!"
Damit war die Wendung zu einer neuen, lebensbejahenden philosophischen Anschauung erreicht.
Ende März 1882 schiffte sich Nietzsche, einer plötzlichen Laune folgend, in Genua nach Messina ein. Der Biograph Ross merkt an, Nietzsche habe davon zwar nichts berichtet, aber im selben Alter wie Nietzsche, mit 37, sei auch Goethe inkognito nach Italien gereist, am 29. März stach Goethe in See nach Sizilien. Am 29. März stach auch Nietzsche in See.
Im April folgte er einer Einladung Malwida von Meysenburgs und Reés nach Rom, wo er Lou Salomé kennenlernte, eine sehr reizvolle und zudem äußerst intelligente Russin. Nietzsche verliebte sich in sie, wie übrigens auch Paul Reé, und diesmal war er wirklich engagiert. Aber an dem komplizierten Dreiecksverhältnis, den nur freundschaftlichen Gefühlen Lou´s und Intrigen der Schwester Elisabeth scheiterte letztlich die für Nietzsche wichtige Freundschaftsepisode mit Paul Reé und Lou Salomé.
Er flüchtete im November nach Genua und danach nach Rapallo, wo er den Winter, geplagt von Schlaflosigkeit und Melancholie, verbrachte.

7.1 Also sprach Zarathustra
Im Februar 1883 in Rapallo entsteht der erste Teil von "Also sprach Zarathustra". Der letzte und vierte Teil wird erst 1885 als Privatdruck erscheinen. Inhaltlich nimmt Nietzsche in diesem Werk alle bisherigen Gedanken wieder auf, um sie an zwei neuen Leitbildern zu orientieren: der Idee des Übermenschen und dem Gedanken der ewigen Wiederkunft. Obwohl in philosophischer Absicht konzipiert, ist das Werk ganz und gar als Dichtung geschrieben.
Einerseits soll im Zarathustra der Mensch überwunden werden und sich zum Übermenschen steigern, andererseits ist alles Geschehen determiniert und wie die Zeit im Kreise verläuft, muß sich alles zwanghaft wiederholen. Die Auflösung dieses Widerspruches geschieht im Widerstreit der beiden Thesen, die sich hier vereinigen und die Wiederkehr selbst bietet die Möglichkeit der Steigerung und Vollendung des Lebens.

8. Die Spätzeit (insbes. Jenseits von Gut und Böse)
Mag es auch fraglich sein, daß Nietzsche in einem Hauptwerk seine Lehre vom Willen zur Macht darlegen wollte, der Gedanke selbst gehört zum zentralen Themenkreis der Achtziger Jahre. In dem 1886 erscheinenden Werk "Jenseits von Gut und Böse" wird der frühe abstrakte Wille Schopenhauers durch ein konkretes Prinzip ersetzt. Dies geschieht -und nicht nur dort - im Rückgriff auf biologistische Vorstellungen:
"Gesetzt endlich, daß es gelänge, unser gesamtes Triebleben als die Ausgestaltung und Verzweigung einer Grundform des Willens zu erklären - nämlich des Willens zur Macht, wie es mein Satz ist -; gesetzt, daß man alle organischen Funktionen auf diesen Willen zur Macht zurückführen könnte und in ihm auch die Lösung des Problems der Zeugung und Ernährung - es ist ein Problem - fände, so hätte man damit sich das Recht verschafft, alle wirkende Kraft eindeutig zu bestimmen als: Wille zur Macht. Die Welt von innen gesehen, die Welt auf ihren 'intelligiblen Charakter' hin bestimmt und bezeichnet - sie wäre eben 'Wille zur Macht' und nichts außerdem."
Der Philosoph Hugo Dingler hebt das konrete Willensprinzip, das Pragmatische, in diesem Werk als besonders hellsichtig hervor [in "das System", S. 49] und verweist auf den Aphorismus 21, indem es heißt:
"Die causa sui ist der beste Selbst-Widerspruch, der bisher ausgedacht worden ist, eine Art logischer Notzucht und Unnatur [...] Das Verlangen, die ganze und letzte Verantwortlichkeit für seine Handlungen selbst zu tragen und Gott, Welt, Vorfahren, Zufall, Gesellschaft davon zu entlasten, ist nämlich nichts Geringeres, als eben jene causa sui zu sein und [...] sich selbst aus dem Sumpf des Nichts an den Haaren ins Dasein zu ziehen."
In eben diesem und dem folgenden Aphorismus wird auch das "an sich" von den fehlerhaften Verdinglichungen der Naturforscher befreit, wie es durch sogenannte Naturgesetze geschieht. Nietzsche legt dar, daß wir selbst es sind, die die Gesetze und Kausalverbände in die Dinge hineindichten und mischen.
Wie "Jenseits von Gut und Böse", stellen alle noch folgenden Schriften das Spätwerk Nietsches dar. In ihnen wird das bisher Erschienene wieder aufgegriffen, weiter zugespitzt oder vertieft.
Im April 1888 hielt sich Nietzsche das erste Mal in Turin auf, wo es ihm sofort gefiel. Der Aufenthalt begann auch sogleich mit einer äußerst erfreulichen Nachricht: Georg Brandes hatte an der Universität Kopenhagen Vorlesungen über den deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche angekündigt. Für Nietzsche sollte es lediglich eine Vorahnung kommenden Ruhmes bleiben. Sein Gesundheitszustand war wieder äußerst schlecht und er wurde zusehends sonderlicher. Der Zusammenbruch erfolgte am 3. Januar 1889 in Turin, als er sich unter Tränen einem mißhandelten Pferd um den Hals warf. Die Diagnose lautete fortgeschrittene Paralyse. Bis zum Tode der Mutter 1897 wurde Nietzsche von seiner Mutter gepflegt, dann siedelte er mit der Schwester nach Weimar über. Nach über einem Jahrzehnt in geistiger Umnachtung starb Nietzsche am 25. August 1900 in Weimar.

Appendix 1: Nietzsche, Werke

Sie haben hier auch die Möglichkeit, themenbezogene Bücher zu bestellen.


1869-1871 Entstehung der Geburt der Tragödie (erscheint Neujahr 1872)
1872 Feb-März, Basler Vorträge Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten (erst mit
dem Nachlaß veröffentlicht)
1873 Die erste Unzeitgemäße Betrachtung: David Strauß, der Bekenner und der
Schriftsteller
Die zweite Unzeitgemäße Betrachtung: Vom Nutzen und Nachteil der Historie
für das Leben (erscheint 1874)
Das Fragment: Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen (erst mit dem
Nachlaß veröffentlicht)
1874 Die dritte Unzeitgemäße Betrachtung: Schopenhauer als Erzieher
1875-1876 Die vierte Unzeitgemäße Betrachtung: Richard Wagner in Bayreuth
1876-1878 Menschliches, Allzumenschliches, Erster Teil
1880 Der Wanderer und sein Schatten. Menschliches, Allzumenschliches, Zweiter Teil
1880-1881 Morgenröte
1881-1882 Die fröhliche Wissenschaft
1883 Feb, Erster Teil des Also sprach Zarathustra (gedruckt 1883)
Zweiter Teil des Also sprach Zarathustra (gedruckt 1883)
1884 Jan, Dritter Teil des Also sprach Zarathustra (gedruckt 1884)
1885 Nov-Feb, Vierter Teil des Also sprach Zarathustra (Privatdruck 1885)
1884-1885 Jenseits von Gut und Böse (erscheint 1886)
1887 Genealogie der Moral
1888 Mai-Aug, Der Fall Wagner, Abschluß der Dionysos-Dithyramben
Aug-Sep, Götzendämmerung (erscheint Jan 1889)
Sep, Der Antichrist. Versuch einer Kritik des Christentums (Umwertung aller
Werte I)
Okt-Nov, Ecce Homo (erscheint 1908)
Dez, Nietzsche contra Wagner. Aktenstücke eines Psychologen. (erst in den
Werken veröffentlicht)
Der Titel des (1906) aus dem Nachlaß herausgegebenen Werkes Der Wille zur Macht stammt nicht von
Nietzsche, sondern von der Herausgeberin Elisabeth Förster-Nietzsche.

Hilfsmittel
-alle Werke, Nachlaß und Auswahl wichtigster Briefe: Nietzsche, Friedrich: Werke in 3 Bänden. Hrsg. v. Karl Schlechta. 2., durchgesehene Auflage. München 1960.
-wie oben, Taschenbuchausgabe: Nietzsche, Friedrich: Kritische Studienausgabe in 15 Bänden. Hrsg. v. Giorgio Colli und Mazzino Montinari. 2., durchgesehene Auflage. München 1988.

Beispiel für Nietzsches Planung der Werke:
Menschliches, Allzumenschliches, Erster Teil: Erste Aufzeichnungen geplant unter dem Titel: 'Die Pflugschar', 175 Aphoris- men. Vorübergehende Absicht, Teile für eine fünfte 'Unzeitgemäße Betrachtung: Der Freigeist' zu verwenden. April 1878: 'Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister. Dem Andenken Voltaire´s geweiht zur Gedächtnisfeier seines Todestages, den 30. Mai 1878'. 1886 Neuausgabe mit 'Vorrede' und Schlußgedicht 'unter Freunden' (Widmung fiel weg): 'Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister. Erster Band: Neue Ausgabe mit einer einführenden Vorrede'.

Menschliches, Allzumenschliches, Zweiter Teil: März 1879: 'Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister'. Anhang: 'Vermischte Meinungen und Sprüche' (darunter bis dahin nicht verwendete Texte aus sog. 'Sorrentiner Papieren' aus 1877). 1880: 'Der Wanderer und sein Schatten' (Texte entstanden in St. Moritz, daher ursprünglicher Titel: 'St. Moritzer Gedankengänge'). Okt 1886: Vereinigung zu einem Buch mit Vorrede von Nietzsche: 'Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister. Zweiter Band. Neue Ausgabe mit einer einführenden Rede'.

Appendix 2: Personen, Übersicht

Familie:

Friedrich Wilhelm Nietzsche, 15. Okt. 1844 - 25. Aug. 1900
Vater: Carl Ludwig Nietzsche (1813-1849), Pfarrer
Mutter: Franziska, geb. Oehler (1826-1897), Tochter eines Pfarrers
Schwester: Elisabeth Förster-Niezsche, geb. Nietzsche (1846-1935), verwaltete den Nachlaß
Bruder: Ludwig Joseph (1848-1850)

Begegnungen und Freunde:
Wilhelm Pinder und Gustav Krug, erste Freunde in Naumburg, Verein 'Germania'
Johann Christian Friedrich Hölderlin (1770-1843), Dichter: 'Hyperion'
Paul Deussen (1845-1919), Philosophiehistoriker, Freundschaft seit 1859, 'Franconia', Reisen
Carl von Gersdorff (1844-1904), Freundschaft seit 1861, Bayreuth 1872
Friedrich Wilhelm Ritschl (1806-1876), Förderer und Lehrer von N in Bonn u. Leipzig
Arthur Schopenhauer (1788-1860), 1865 liest N. Hauptwerk 'Die Welt als Wille u. Vorstellung'
David Friedrich Strauß (1808-1874), ev. Theologe: 'Das Leben Jesu'
Erwin Rohde (1845-1898), Altphilologe, Freundschaft seit 1866
Jacob Burkhardt (1818-1897), Prof. für Kunstgeschichte, Freundschaft seit Basel
Richard Wagner (1813-1883), dt. Komponist, erste Begegnung in Leipzig 1868, Bruch 1878
Cosima Wagner, geb. Liszt (1837-1930), erste Begegnung 1869 in Tribschen bei Luzern
Franz Liszt (1811-1886),Bekanntschaft am 28. Feb. 1869
Hans Guido Freiherr von Bülow (1830-1894), Pianist u. Dirigent, 1857-68 verheiratet mit Cosima, N schickt ihm 1872 seine Manfred-Meditation
Franz Overbeck (1837-1905), Theologieprof., Freundschaft seit 1870, gem. Wohnung in Basel
Malwida von Meysenburg (1816-1903), Bekanntschaft seit 1872 in Bayreuth, Sorrent, Rom
Carl Fuchs (1838-1922), Pianist, rege Korrespondenz im Sommer 1874
Bernhard Förster (1843-1889), seit 1875 Bekanntschaft mit späterem Schwager, Wagnerverehrer
Heinrich Köselitz (1854-1918), Komponist, Pseudonym ab 1881: Peter Gast, ab1875 Freundschaft
Mathilde Trampedach, damals Klavierschülerin, am 11. April 1876 Heiratsantrag von N.
Paul Reé (1849-1901), Philosoph u. Arzt, Freundschaft seit 1876, Reisen, Sorrent, Rom
Lou von Salomé (Andreas-Salomé) (1861-1937), russ. Schriftstellerin, Bekanntschaft 1882 in Rom, N. macht ihr einen Heiratsantrag, so wie auch Paul Reé
Resa von Schirnhofer (1855-1948), damals Studentin, Bekanntschaft Nizza 1884, Aug. Sils-Maria
Heinrich Freiherr von Stein, Schriftsteller, Aug. 1884 in Sils-Maria
Gottfried Keller (1819-1890), Schriftsteller, Treffen in Zürich 1884
Georg Brandes (1842-1927), dän. Literaturhistoriker, seit 1887 Briefwechsel

Quellen
-Abendroth, Walter: Arthur Schopenhauer.Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Hrsg. von Wolfgang Müller. 16. Auflage. Reinbek bei Hamburg 1993. (= Rowohlt Bildmonographien.1090.)
-Frenzel, Ivo: Friedrich Nietzsche. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Hrsg. von Wolfgang Müller. 27. Auflage. Reinbek bei Hamburg 1995. (= Rowohlt Bildmonographien. 1290.)
-Ross, Werner: Der ängstliche Adler. Friedrich Nietzsches Leben. Stuttgart 1989.



Dieser Beitrag wurde uns zur Verfügung gestellt von der Verfasserin:

Kirstin Zeyer (M.A.)
philo@kirstin-zeyer.de
www.kirstin-zeyer.de